Schluss mit Amtsdeutsch: „Auf unangenehme Weise sachlich“

Das Sprachmonster aus der Amtsstube | KI-generiert mit ChatGPT

Fachlich korrekt ist das eine. Verständlich das andere. Vor allem, wenn Sie Fachliches für Nichtfachleute aufbereiten. Im pädagogischen Sektor, sollte man meinen, ist dies das kleine 1×1. Doch wir sind nicht besser als andere Behörden. In unserem Bildungsportal wimmelt es von Seiten, die beherrscht werden von:

  • Erlassdeutsch in dröge juristischer Ministerialprosa,
  • Experten-Kauderwelsch im Theorierausch,
  • Leersätzen voller „Plastikwörter“ (Uwe Pörksen) und „Blähwörter“ (Wolf Schneider).

Bürgernah ist das nicht. Das müssten wir aber sein. Wir veröffentlichen nicht nur für beamtetes Kultuspersonal ab A13 aufwärts.

Teenager und Erziehungsberechtigte, Kita- und Sportvereins-Vorstände müssen verstehen, was wir sagen. Übrigens haben auch hoch qualifizierte Verwaltungsprofis weder Zeit noch Lust, einen Text dreimal zu lesen, bis sie ihn begreifen.

Sprache wird zum Bürgerschreck

Im Blog des Stuttgarter Staatsanzeigers hat die Journalistin Barbara Ward amüsanten Ämter-Unfug aufgespießt und einige Kniffe aufgeschrieben, die Barrieren abbauen und Vertrauen schaffen. In ihrem Beitrag „Verständliche Bürgerkommunikation: So geht’s!“ erläutert sie die Sprachmarotten mit dem größten Laienschreck-Potenzial.

Die größte Verständnisbarriere im Deutschen

Wards erster Kampf gilt dem behördentypischen Drang, aus jedem bodenständigen Tuwort ein respektheischendes Substantiv zu quetschen. Mit ganz viel -ung, -heit und -keit.

„Der Nominalstil gehört zu den größten Verständnisbarrieren in der deutschen Sprache“, warnt Ward, und er klinge „auf eine unangenehme Weise sachlich bis negativ“. Also herablassend.

Ihre Meinung: Wer freundlich und lebendig klingen, wer Empathie zeigen und ermutigen will, der setzt aufs deutsche Tuwort.

Fachsprachgewohnheiten

Begriffe, die für uns Alltag sind, können für Eltern oder Lehrkräfte Hürden sein. Viel zu selten denkt, wer schreibt, an die Zielgruppe. „Stattdessen spiegeln viele Texte eher die Sprachgewohnheiten der Verfasser:innen wider“, sagt Ward.

Sie rät: Fachbegriffe überprüfen. Müssen sie wirklich sein? Tut’s nicht auch eine einfache Alternative? Wenn sie wichtig sind, knapp erklären. Auch eine Erklär-Box ist guter Service. Dasselbe gilt für Abkürzungen, die nur Eingeweihte verstehen, wenn man sie nicht auflöst.

„In Behörden herrscht Verlängeritis“

Ward finden auf Ämterfluren „eine ganz absonderliche Marotte“, nämlich das Verlängern von Begriffen. Aus einem Plan wird die Planung, dann die Rahmenplanung, aus der Vollstreckung die Vollstreckungsmöglichkeit.

👉 Zum Staatsanzeiger-Artikel:Verständliche Bürgerkommunikation: So geht’s!“ (13. Mai 2022)

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