300 qm unter 60 Strahlern – Gastgeber NRW zeigt Größe

Der NRW-Messeauftritt in Überblicks-Grafik und Foto-Galerie
Das Didacta-erfahrene Schulministerium zeigte einen routinierten Auftritt – mit einem Stand-Design aus der Corona-Zeit mit viel klinischem Weiß.
Das Platzsparer-Konzept: 7 „Beratungsinseln“ mit 18 eingebauten Medienstationen. Vorteil: Viele Themen zugleich. Nachteil: Alles sah irgendwie gleich aus.

Weithin sichtbare Kopfbanderole in der Mitte der Halle 7 – kleines Landeswappen, großes Signet des strategischen Entwicklungsprogramms „Schulkompass 2030“

Wer in Halle 7 den Blick nach oben richtete, sah ein technisches Statement: 60 Scheinwerfer fluteten den 300 Quadratmeter großen Stand. Dieser Messe-Trumm leuchtete ganz in blankem Weiß mit blauen und grauen Akzenten. Die NRW-Messebauer nannten ihr Design „clean“ – es wirkte etwas klinisch. Die Bauten stammten aus dem Corona-Jahr 2022.

Der Deckenabhänger, der das Lichtrigg barg, war innen mit bildungspolitischen Schlagworten bedruckt. Außen dominierte auf der Kopfbanderole das blaue Signet des Entwicklungsplans „Schulkompass NRW 2030“. Das hoheitliche Rot-Weiß-Grün des Landeswappens bekam wenig Platz. Verschwunden ist der alte Slogan „Bildungsland NRW. Hier wachsen Talente“.

Schematische Zeichnung: Der Messestand des Ministeriums für Schule und Bildung NRW im März 2026

„Naja. Eine Menge weiße Stellwände mit Bildschirmen drauf.“ Dr. Inga Niehaus ist schwer zu beeindrucken. NRW schaffte es mit dem Stand-Design definitiv nicht. „Langweilig. Stellen Sie sich vor, wir würden in Hannover auf jeder Wand Seiten vom Bildungsportal zeigen“, flachste sie. Niehaus, am Hildesheimer NLQ Kopf der Projektgruppe für die Didacta 2027 und den Bildungskongress, war an den Rhein gereist, um vom Nachbarland zu lernen. Für sie und eine Schar anderer Abgesandte aus Niedersachsen war der Stand Pflichtprogramm.

NRW war seit 1999 zum elften Mal Gastgeber der Didacta. Das letzte Didacta-Heimspiel ist für Niedersachsen acht Jahre her – da ist Messeexpertise verloren gegangen. So kamen in Köln jeden Tag Niedersachsen in die Halle 7, um bei NRW zu kiebitzen. Was sahen sie?

Das Konzept der Beratungsinseln

„Beratungsinseln“ hießen die Mehrflügel-Stellwände, mit denen NRW seinen Stand spickte und auf jeder Insel ein Team postierte. Diese Insel ist ein mit Barhockern ausgestatteter Bereich, der für persönliche Dialoge gedacht ist. Offen, aber strukturiert soll das Gesprächsumfeld sein. Eine kleine Medientechnik Station ist jede Insel außerdem.

Beratungsinseln im NRW-Stils sind vor allem Platzsparer. Bei 6 Inseln mit je 3 Flügelwänden mit Tischchen und Bildschirm ließen sich 18 Themen unterbringen. Mehrfach gab es sogar Doppel-Belegungen. So kam es, dass eine Plastik-Übungspuppe zur Wiederbelebung tagelang unbeachtet an einer Insel ausharrte, bis das zuständige Team wieder ein Zeitfenster bekam.

  • Der Vorteil: Mit diesem Trick konnte NRW ziemlich viele Themen gleichzeitig zeigen und viele unterschiedliche Fachleute am Stand postieren.
  • Der Nachteil: Alles sah ziemlich gleich und beliebig aus. Es fehlte der große einzelne Blickfänger. Man sah es dem Stand an: NRW konnte sich nicht recht entscheiden.

Die Schwerpunkte außer dem „Schulkompass“, mit dem NRW Basiskompetenzen fördert, waren eine „Digitalwerkstatt“ mit Fokus Medienkompetenz und KI sowie Demokratie und BNE.

Normalerweise rücken Messebauer solche Beratungsinseln möglichst vom Standrand ab. Der NRW-Stand drückte hingegen alle sechs Beratungsinseln an den Rand. Das senkte einerseits die Hemmschwelle für Passanten, die außen sitzenden Teams anzusprechen. Andererseits waren die Themen-Teams im Innern verborgen. Zudem wirkten die Inseln an den Längsseiten wie eine weiße Sperrwand mit Monitoren. Auf die leergeräumte Zentralachse schob man schwere Sitzmöbel. Dort entstand die Ruhezone. Man stand also am Rand und saß in der Mitte.

An einer Standecke lud die „Aktionsfläche“ auf weiß-blaue Sitzwürfeln ein. Hier warteten ein Redepult und Großbildschirm für das Tagesprogramm mit Live-Stream. Die Veranstaltungen wurden aufgezeichnet und waren teils noch später im Web abrufbar. Das ganze Programm des Ministeriums, im Bildungsportal NRW nachlesbar, umfasste gut 40 Einzeltermine.

„Eine Menge weiße Stellwände mit Bildschirmen drauf“ passte ganz gut. Rund 30 große Bildschirme und viele kleine flimmerten blassblau vor sich hin.

Der recycelte Messestand

Den Stand hat NRW schon seit 2022 verwendet. Er wurde neu arrangiert und neu beschriftet. Früher gab es die Aufteilung nach Themen nicht. Jetzt sind die Beratungsinseln Themeninseln. Auch die auffälligen QR-Codes an den Wänden waren neu. Auf die verwies man die Gäste, statt Ihnen Broschüren in die Hand zu drücken. Das soll Papier sparen helfen.

„Clean“ sollte es ja aussehen, nicht von Zetteln zugedeckt. Nur wenige Insel-Crews wagten es, bedruckte Leporellos auf ihren Tischlein auszulegen. Die meisten klappten diszipliniert nur ein Notebook auf. Größere Fächer fürs Gedruckte fand man an der Außenwand der Standkabine sowie an einzelnen Aufstellern.

Plauder-, Pause und Ruhezone: Sitzmöbel auf der Längsachse des Stands

Gebaut haben den Stand zum dritten Mal die Düsseldorfer Agentur Fredfox (eine auf Live-Marketing spezialisierte Tochter der Werbeagentur Kandinsky) und die Event-Techniker von Media Spectrum aus Willich. Der schon 2016 entwickelte Stand und der Nachfolger 2019 waren nach Farbe und Grundelementen bereits so ähnlich. Nur die Inseln gab es noch nicht.

2022, es war noch Corona-Zeit, war der Stand nur 170 qm groß. Darauf passten schon wegen der Abstandsregeln nur wenige Beratungsinseln. Auf 300 qm haben einige mehr Platz.

Das Standpersonal stellte das Düsseldorfer Ministerium und das West-Pendant zum NLQ, die Qualitäts- und UnterstützungsAgentur / Landesinstitut für Schule (QUA-LiS) aus Soest.

Schulministerin Dorothee Feller war Schirmherrin dieser Didacta – wie schon 2024. Diesmal gab sie keine klassische Eröffnungsrede, sondern gab bei der Auftaktveranstaltung gemeinsam mit dem Didacta-Verbandspräsidenten Dr. Hans-Joachim Prinz ein 15-Minuten-Interview (YouTube-Ausschnitt).

Am Dienstag, Donnerstag und Freitag machte sie ihre Rundgänge. Sie bestritt mehrere Interviews, Diskussionsrunden (darunter eine mit Julia Willie Hamburg) und Vorführungen von NRW-Schulen. Ihr Staatssekretär Dr. Urban Mauer absolvierte sein eigenes Programm.

Auf den blauen Hockern der „Aktionsfläche“ warten Gäste auf Aktion
Der Tischblock war die Werkbank der „Digitalwerkstatt“ der NRW-Medienberatung und Bildungsmediathek
Andacht bei der Messe: Beratungsinsel am Außenrand des NRW-Stands. Links eine Reanimations-Übungspuppe.
Ein hehres Ziel… auch wenn ein t fehlt. Endlos-Show am Stand des NRW-Schulministeriums.
Die Hocker waren mit blauen Hussen bezogen. Sie trugen Stichwörter aus dem „Schulkompass 2030“ wie Schüler-Feedback, Lernstandserhebungen, individuelle Förderung, ganzheitliche Förderung, Sprachkompetenz oder Zielvereinbarungen
Ministerin in Dauerschleife: An der Außenwand der Standkabine war in Regalen Platz für Gedrucktes