MASCHINENRAUM
Während geplanter Wartungsarbeiten sind ab 4. November reihenweise Schul- und Kommunikationsdienste ausgefallen. Das NLQ-Technikteam gab alles, um die wichtigsten Funktionen schnell wieder ans Netz zu bringen. Aber an einigen Diensten wird noch gearbeitet.

„Nibis.de sagt leise Adieu“, schrieben wir im Oktober-Redaktionsbrief. Es klang harmlos. „Am Dienstag, 4. November 2025, stehen Wartungsarbeiten zwischen 2 und 14 Uhr an. So stehen diverse Anwendungen gar nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Betroffen sind das NiBiS-CMS, nMail, Schulnetzmail, Schulnetz, 2P, WordPress und NiBiS Karten.“
Strom aus, Wartung, Strom an, Maschine kommt zurück. So einfach hatte man es sich gedacht im NLQ-Fachbereich 52, der die zentrale Informationstechnik der Kultusverwaltung hütet. Doch als der gelbe Saft wieder floss, blieb eine Ecke des Serverschranks verdächtig still. Gelbe LED warnten matt. Nichts surrte, wie es sollte. Ein Wackelkontakt? Ein loses Kabel?

Dem verdutzten Technikteam dämmerte die Wahrheit nur langsam. Dass Software einen Schluckauf hat, ist man gewohnt. Doch das hier war ein Hardware-Schaden. Ein irreparabler.
Beim Strom-Aus waren vier Festplatten zugleich gestorben. „Ein uns vorher unbekannter Herstellungsfehler“, erklärt Dr. Lea Gerling, Leiterin der NiBiS-Dienste und promovierte Informationstechnologin. „Wenn der Strom aus ist und die Platten x Jahre lang gelaufen sind, gehen sie danach nie wieder an.“
Diese Anwendungen traf es
Es dauerte nicht lange, da setzte der Pressewirbel ein. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, witzelte die Nordwest-Zeitung in Oldenburg. „Hacker-Angriff?“, titelte die Neue Osnabrücker Zeitung reißerisch, darunter deutlich kleiner: „Die Erklärung ist banaler.“
Die Sache selbst war gar nicht banal. Ganz nach Murphys Gesetz hatte es ausgerechnet jene kritische Speichereinheit getroffen, ohne die zahlreiche NiBiS-Dienste zum Stillstand kommen:
▶ Die Schuldatenbank und alles, was damit zusammenhängt: Bildungsportal-Formulare, Schulleitungs-Login, die Schulsuche, laut Lea Gerling „quasi alles mit einem geschützten Zugang extra für Schulen oder bei dem Infos über Schulen gebraucht werden“.

▶ Der nMail-Mailserver für interne und externe NLQ-Mitarbeitende mit Postkästen, die auf @nibis.de, @nlq.nibis.de oder @mail.nibis.de lauten. Die Störung sperrte jeden Kontakt zum NiBis-Serviceteam. Sie stoppte alle E-Mails, die sich aus dem Bildungsportal, dem NLC, ELEC oder anderen Anwendungen versenden lassen. Sie verstopfte die Sammeladresse für allgemeine Anfragen an die Redaktion und kappte intern diverse Kommunikationswege – zum Beispiel zwischen Chefredaktion und den Lehrkräften, die die Fachredaktion bilden.
▶ Postfächer der Schulleitungen und Schulnetzmail: Dies sind die Kanäle, auf denen offizielle Post der Kultusbehörden an die rund 3000 Schulen gelangt.
▶ Schul-Homepages und Blogs: Auf der Plattform WordPress.nibis.de betreiben Hunderte Schulen ihre Internetseiten. Außerdem haben hier viele fachliche Blogs ihr Zuhause.
▶ Die Kompetenzanalyse-Plattform 2P, mit dem viele Schulen fachliche und überfachliche Kompetenzen erfassen und messen, zum Beispiel Sprachvermögen.
▶ Das NiBiS-Redaktionsmanagementsystem: Auf dem alten „Niedersächsischen Bildungsserver“ liegen noch viele Dateien, auf die auch das Bildungsportal verlinkt – zum Beispiel Unterrichtsmaterialien. Die Links wurden unterbrochen, auch im Backend war für Redaktionsmitglieder kein Zugriff mehr möglich.
▶ Viele kleinere Anwendungen wie die Bilddatenbank bidab.nibis.de, über die Gratis-Fotos abrufbar sind, wie Karten und Lernorte, die Planungsdatenbank und andere mehr.
Neuanfang statt Notbehelf
Der Druck, alles zugleich wiederherzustellen, war enorm. Aber alles zugleich, das ging nicht.
Seit Corona-Zeiten kennt man die „Triage“: Wenn im Notfall die medizinischen Ressourcen knapp sind, wird die Reihenfolge der Patienten kühl nach kritischer Dringlichkeit sortiert. Hart und streng, aber unvermeidlich. Auch Lea Gerling und ihr Team konnten nur so vorgehen. „Die Anwendungen mit dem größten Einfluss zuerst“ war ihre Devise. „Alles andere musste warten.“
Nicht aus Furcht vor Überstunden, sondern aus kalter Ingenieurseinsicht. Es war weder sinnvoll noch praktikabel, bröckelnde Wände behelfsweise zu flicken.
Es gab nämlich schon ein neues Zuhause für die alten Anwendungen. Ihr Umzug war schon vorbereitet. Sie brauchten aber „ein komplettes Makeover, um in ihren neuen vier Wänden auch zurechtzukommen“, so Gerling.
„Die Schuldatenbank und was damit zusammenhängt waren bereits drei Tage nach dem Ausfall wieder vollständig verfügbar“, berichtet sie. „In der Woche danach lag die Priorität dann auf der Herstellung der Kommunikation.“ Das hieß: völlig neue Mailserver einrichten und Tausende bisherige Adressen an diese anschließen.

Bald waren nMail und Schulleitungspost zurück im Netz. Allerdings blieben alte E-Mails in der Leitung stecken. Sie konnten nicht sofort zugestellt werden. „Das wird noch aufwändig, die wieder in die neuen Anwendungen zu bekommen.“ Sie betont den Vorteil, dass die Mailserver nun nach aktuellen Standards, sicherer und komfortabler laufen. „Noch ist nicht alles perfekt, Fehler müssen erstmal gefunden und dann beseitigt werden.“
Auch die Schulnetzmail läuft nun sicherer und leichter benutzbar mit anderer Technik als zuvor. „Hier gibt’s eine ganz neue Anwendung, die bereits seit Monaten in der Entwicklung war und jetzt vorzeitig live gehen musste.“ In der vergangenen Woche wurde WordPress überholt. Das Team arbeitet noch daran, alte E-Mails, Anhänge und Adressbücher zu retten. Nun, Anfang Dezember, steht 2P oben auf der Liste. Dann folgen die anderen Anwendungen.
Nach dem Ärger neuer Glanz
Nach drei Stresswochen zieht Lea Gerling Zwischenbilanz. Als am 4. November das Undenkbare passierte, traf es ihr Team zwar mit Wucht. Aber hilflos war es nicht. Denn es hatte 2025 viel Zeit und Kraft investiert, um die Erneuerung der Technik vorzubereiten. Gerling ist überzeugt: Wäre der Ausfall vor einem Jahr passiert, er hätte viel mehr Anwendungen mitgerissen.
Die Personaldecke ist dünn, wenn es zum Störfall kommt. Die Wiederherstellung der Dienste war ein Kraftakt – und ganz allein war das im NLQ nicht zu schaffen. „Vieles läuft über einen Dienstleister, aber auch der hat begrenzte Kapazitäten. Deswegen müssen wir so streng priorisieren und leider auch vieles liegenlassen“. Sie weiß: Aus Nutzersicht ist es ein Ärgernis.
Immerhin, sie ist überzeugt: Sollte es dieselben Anwendungen in Zukunft wieder erwischen, werden sie sich dank besserer Technikbasis in kürzerer Zeit wiederherstellen lassen.
Lea Gerlingt freut sich sogar über „neuen Glanz“ im Serversaal. Sie erwartet weniger Aufwand für Wartung und Verwaltung der System – und für alle User mehr Komfort durch praktische Funktionen. „Die machen uns dann hoffentlich allen das Leben leichter.“
Fotos: M. Althaus NLQ (2, oben), Panumas Nikhomkhai (Pexels)