LAYOUTGEFLÜSTER
Die Piktogramme am Kopf der „Themenportale“ sind verschwunden. Damit ist ein Beschluss der Chefredaktion umgesetzt, um den Auftritt einheitlich zu gestalten.

Die „Themenportale“ heben sich durch eine eigene Hauptnavigation vom Rest des Bildungsportals ab. Im Sommer 2023 erhielten sie auch das Recht, links neben ihrem Titel ein markantes Signet zu setzen. Die Idee war, mit dem Kleinbild die Orientierung zu erleichtern.
Vier Redaktionen folgten der Idee schnell: Mobilität, Europa & Internationales, Sprachbildung und Interkulturelle Bildung (SIB) sowie Sport. In den anderen Portalteams aber rang man mit der schwierigen Auswahl – oder verzichtete darauf. Im Ergebnis trug die Mehrzahl der inzwischen 13 Portale kein Icon. Das war so nicht gedacht.
Die Chefredaktion stand vor der Frage: Ein einheitlicher Auftritt der Themenportal-Familie ist wünschenswert. Aber ist ein solcher Anlauf überhaupt noch sinnvoll? Die Antwort lautete schließlich: Nein. Mehrere Erkenntnisse spielten dabei eine Rolle.
Was symbolisiert uns?
Einige der Teams taten sich sehr schwer. Ein Piktogramm muss radikal vereinfachen. In einem Symbol soll quasi alles gesagt sein. Es muss sofort ohne Erläuterung verständlich sein, sonst taugt es nichts als Signal.
Aber unsere Portale sind als Querschnittsthemen-Ressorts inhaltlich recht breit. Die Idee, die sie jeweils zusammenhält, ist komplex und abstrakt. Konsens zu finden, ist nicht einfach:
- Es geht im Portal Mobilität nicht nur ums Radeln, in „Schule bewegt“ (Sport) nicht nur um Ballsportarten. Trotzdem einigten sich die Sportleute auf einen stilisierten Fußball, das Mobilitätsteam auf ein Fahrrad. Diese beiden Symbole waren hinreichend repräsentativ.
- Dagegen schien es dem Team Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zum Beispiel unpassend, die komplexe Idee BNE durch einen simplen Baum symbolisieren zu lassen. Für Natur und Umweltschutz mag er stehen. Forstlich gesehen, ist Waldwirtschaft eng mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbunden. Aber das Symbol war nicht repräsentativ genug.
Anderen Portalteams erging es ähnlich.
Vier Portale, vier Stile
Es entstand keine einheitliche, konsistente Stilistik und Ästhetik. Die Chefredaktion forderte sie nicht ein, und die Redaktionsteams stimmten sich nicht untereinander ab. So kam es, dass die vier Icons, die auf den Teilportalen erschienen, völlig unterschiedlich aussahen. Sie stammten aus unterschiedlichen Gratis-Quellen von unterschiedlichen Grafikern.

Die Unterschiede im Stil sind eklatant, wenn man die vier nebeneinander legt. Das hat auch etwas mit der inhaltlichen Komplexität zu tun.
▶ Fahrrad und Ball sind einfache, konkrete Gegenstände. Jeder kann damit etwas anfangen. Sie werden im Alltag – vom Verkehrszeichen bis zum Online-Shop – als Wegweiser oft verwendet. Sie haben gute Stellvertreter-Qualitäten: ein Ball steht auch für Spiel, Spaß und Freizeit, ein Fahrrad breit für Antrieb, Bewegung, Reise und Verkehr. Zwar zeigt die Wiki Symboldatenbank, es gibt enorm viele Deutungen für Ball und Fahrrad. Trotzdem verstehen die meisten Menschen spontan die Hauptaussage.
▶ Die beiden anderen Icons bestehen aus mehreren Einzelteilen, was sie viel detaillierter macht. Sie versuchen komplexe geistige Botschaften zu vermitteln. Ihr Abstraktionsgrad ist viel höher. Sie sind nicht bekannt und gelernt. Es gibt keine Standardverwendung im Alltag. Damit nimmt die Klarheit und Wirkung des Signals massiv ab.
Zu klein, um zu wirken
Über Symbole lässt sich trefflich philosophieren und streiten. Vor allem, wenn man sie lange in Übergröße anstarrt und miteinander vergleicht. Der Durchschnittsbesucher indes flitzt an den Bildmarken, die wenige Millimeter groß sind, nur ganz flüchtig vorbei. Und die Größe war nicht üppig.

Die Redaktion Europa & Internationales wählte ein kreisrundes Symbol aus, das nur im Format 32 x 32 Pixel angezeigt wurde. Die Ursprungsgröße war allerdings eine andere.
Die Verkleinerung hatte Folgen: Nur Adleraugen konnten die Details des Logos erkennen. Es wirkte nur wie ein knubbeliger Ring.
Ist das nicht der Sternenkreis als Europa-Symbol? Das Portal verwendet viele Fotos mit den goldenen Sternen auf blauem Grund. Doch falsch geraten: Tatsächlich war es ein Kreis, der einen Globus andeutet, den rundherum eine Kette von Menschen umspannt, die sich an den Händen halten. Die Grafik war zu fein. Wichtige Details gingen verloren.
Keine Icons in der mobilen Ansicht
Rund 40% unserer Besuche kommen über Mobilgeräte. Sie haben die Icons nie gesehen. Denn das responsive Design des Bildungsportal unterschlug sie, wenn mobile Nutzer die Themenportal-Seiten aufriefen.
Es gab keine für die mobile Darstellung geeignete Größe. Es war nicht bedacht worden: Logos mit inhaltlichem Lenkeffekt und Orientierungswirkung müssen in unterschiedlichen Ausspielkanälen einheitlich verwendbar sein.
Die Bilderkonkurrenz
Ob Desktop, Tablet oder Telefon: Die Piktogramme konnten auch deshalb keine große Wirkung entfalten, weil die optische Konkurrenz zu machtvoll war. In einem bunten Bildermeer von Menschenfotos kann sich eine abstrakte Schwarzweiß-Kleingrafik schwer durchsetzen.
▶ Das begann schon am Kopf selbst. Links oben war jedes Piktogramm wie in einem Sandwich eingeklemmt zwischen zwei markanten Zeichen: dem Landeswappen (oben) als allseits bekannte Hoheitsmarke und dem dicken, simplen Home-Symbol.
Beide leuchten in sattem Rot. Gegen sie hatte das blasse Schwarzweiß-Icon, das eng neben dem Titel stand, wenig Chancen auf Aufmerksamkeit.
▶ Der Hingucker jeder Seite ist aber ohnehin ein riesiges, vielfarbiges, motivstarkes Header-Foto im Querformat fast über die ganze Seitenbreite.
▶ Darunter folgt in den Themenportalen auf der Haupt- und vielen Übersichtsseiten eine Batterie bunter Einzelfotos. Diese Fotos sind natürlich und detailliert, nicht abstrakt. Die meisten enthalten Gesichter, Körper und Gruppen, oft in Bewegung oder mit interessanter Mimik und Gestik. All das zieht und bindet die Aufmerksamkeit.