LAYOUTGEFLÜSTER
- Technik-Wechsel auf Open Source: Für das neue Niedersachsen.de wird die Landesregierung wie das BiP künftig mit dem Werkzeugkasten Typo3 arbeiten.
- Design & Usability: Mit mehr Niedersachsen-Rot, visueller Kraft und radikaler Vereinfachung auf vier Navigationsebenen wird das Web modernisiert.
- Frühjahrsputz für MK-Onliner: Die MK-Pressestelle macht auf der eigenen Website vor dem Relaunch gründlich Inventur und optimiert die Abstimmung mit dem BiP.
- Aufschlag im Sommer: Zeitgleich mit dem Relaunch von CMS und Niedersachsen.de startet eine 10 Millionen Euro schwere Standortkampagne, um Niedersachsen 2026/27 emotionaler und attraktiver zu positionieren.
Die Landesregierung erneuert nicht nur den Look von niedersachsen.de, sie will wie wir künftig Typo3 als Redaktionssystem nutzen. Bisher ist das Landes-CMS eine gekaufte Plattform („proprietär“), nämlich der Government Site Builder 10 (GSB). Das ist kein urtümlich niedersächsisches Produkt. Die Software, ursprünglich 2003 programmiert, kommt vom Bundesverwaltungsamt und dient Bund und Ländern zugleich. Im Kern steckt ein Java-CMS der Hamburger Firma CoreMedia. Doch seit 2023 führt das IT-Zentrum Bund den Government Site Builder 11 mit einem neuen Kern ein. Das ist Typo3. Der Roll-out ist in vollem Gange.
Strategiewechsel bei Bund und Ländern
„Open Source“ sollte es sein, also ein lizenzfreier, offener Programmcode, um von einer Welt-Community weiterentwickelt und erweitert zu werden. (Zu diesem Typ gehören Firefox, WordPress, Linux, VLC Media Player oder LibreOffice.)
Das ITZBund und die beteiligten Bundesländer, bei uns IT.Niedersachsen, arbeiten eng mit der Düsseldorfer Typo3 GmbH zusammen. Das ist die kommerzielle Tochter des gemeinnützigen Typo3-Muttervereins.
IT.Niedersachsen bringt in einer ersten Welle die Staatskanzlei und die Ministerien in die Typo3-Familie. Die technische Basis ist zentral (Sicherheit, Kernfunktionen), aber MK und alle anderen Ressorts werden ihre Bereiche redaktionell, rechtlich und optisch getrennt führen. In zweiter Welle folgen andere Landesbehörden.
Der Relaunch berührt auch das Bildungsportal
Das Land lässt sich von der Kölner Agentur Digitas begleiten. Während IT.N sich vorrangig ums Hosting kümmern dürfte, kümmern sich die Kölner darum, GSB11 an niedersächsische Wünsche anzupassen, um Designentwicklung, Support und Wartung. Redaktionsmitglieder werden ihnen auch bei CMS-Schulungen begegnen.
Digitas ist eine der Top-Digitaladressen Deutschlands. Sie gehört zum französischen Werbe- und PR-Riesen Publicis Groupe. Hinter dem Namen Digitas steckt ein Urgestein deutscher Digitalkommunikation: Die Firma ist genauso alt wie das WWW. Vor 35 Jahren wurde sie in einem Berliner Hinterhof als „Pixelpark“ geboren, machte ihren Gründer Paulus Neef zum ersten deutschen Internet-Milliardär, gehörte später zu Bertelsmann und war ein Börsen-Star der Dot.com-Blase um 2000. Lange her.
Was die Digitas-Leute beim Landes-CMS und Niedersachsen.de designen und bauen, wird auch praktische Folgen fürs BIP haben. So wird es einen auch grundsätzlich für uns verbindlichen neuen „Style Guide“ geben, ein Regelwerk für Schriften, Maße, Farben und Formen aller Internetpräsenzen der Landesregierung. Er ist jetzt 10 Jahre alt.
Wie wir im Layoutgeflüster im Redaktionsbrief Nr. 4 (2025) schon sagten: Designfragen sind nicht nur Kosmetik und Ästhetik, sie haben auch mit Technik und Social Media zu tun, die sich in 10 Jahren rasant entwickelt haben. Manches wird auch informell ersetzt. Die amtliche „Hausschrift“ des Landes ist die Frutiger. Das ist allerdings eine teure Lizenz-Schriftart. Die ist technisch nicht mehr für alle Anwendungen nutzbar gewesen. Inzwischen behilft man sich mit der ähnlichen, aber kostenlosen Open Sans von Google.
Roter, flacher, komfortabler

Manuela Meyer, Mitglied der BiP-Chefredaktion und in der MK-Pressestelle am Steuerknüppel von mk.niedersachsen.de, konnte mit ihrem Kollegen Ulrich Schubert schon im neuen CMS und den kreativen Plänen für niedersachsen.de kiebitzen. „Es ist aber noch vieles in Arbeit“, warnt sie.
Fürs Auge wird das neue Design wichtig sein. Noch sind Design-Details ein gut gehütetes Geheimnis. Das CMS geht nicht solo in den Relaunch – die Staatskanzlei will es zeitgleich mit dem Start der Standortkampagne vorstellen (siehe unten). Aber dies weiß Meyer schon:
- Das Niedersachsen-Rot soll mehr und kräftiger verwendet werden, besonders als Akzentfarbe (Fachjargon: Highlight-Farbe oder Action-Color). Dort, wo man die Aufmerksamkeit anziehen will.
- Mehr Bilder und visuell starke Textelemente: „Es wird bildhafter werden“, so Meyer. Auf den Websites der Bundesregierung, findet sie, erhalte man davon schon einen guten Eindruck. So können herausgestellte Zitate (Pull Quotes) das Layout aufbrechen.
- Mehr Varianten für Slider oder Meldungen und Pressemitteilungen werden angeboten.
Bei Struktur und Navigation ist Meyer aufgefallen, dass die behördentypisch langen Klickpfade verkürzt werden sollen. Die öffentliche Verwaltung neigt ja besonders zum Verstecken ihrer Inhalte in verschachtelten Tiefen. „Es wird nur noch 4 Ebenen geben“, berichtet sie. „Früher waren es bis zu 6 Ebenen.“
Die Suche soll in Vielem aussehen wie im Bildungsportal, zum Beispiel:
- Die Suche wird deutlich prominenter direkt über der Navigation platziert. Bisher ist nur links oben über dem Namen des Ministeriums eine kleine Lupe zu sehen.
- User sollen ihre Suche verfeinern können. Eine Facettensuche soll das Filtern und Einschränken der Suchergebnisse nach Kategorien ermöglichen.
Frühjahrsputz für MK-Onliner
Für den Neustart im neuen Kleid hat Meyer mit ihren hauseigenen Teams für mk.niedersachsen.de viel vor. Die Koordination mit dem Bildungsportal spiel dabei eine zentrale Rolle. Sie wünscht sich, dass die für MK- und BiP-Seiten Zuständigen mehr miteinander sprechen und sich über die Inhalte verständigen. Vor allem, damit Doppelungen vermieden werden.
Ein wichtiger Schritt geht voraus: eine Zuständigkeits-Inventur. Denn auch wenn so ein Ministerium einen ordentlichen Geschäftsverteilungs- und Aktenplan hat – bei der Web-Redaktion ist über die Jahre manches unklar geworden, manche Seiten sind sogar verwaist. „Wenn wir das komplett aufgeklärt haben“, sagt Meyer, „gehen wir richtig in den Frühjahrsputz.“
Standortkampagne: 10 Mio. Euro für ein neues Landes-Image
„Niedersachsen.Klar“ war nordisch pur, sachlich rein. Seit 2016 sind wir „Klar.“ Aber was klar ist, kann auch blass bleiben. Also findet dieses Understatement wohl im Sommer 2026 sein Ende. Die Landes-Marke wird wohl emotionaler werden, mit Witz, Charme und Storytelling.
Da hat man ja schon einiges versucht: „Land mit Weitblick“ waren wir schon mal und warben auch so: „Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.“ Zum Claim gab es jeweils zahlreiche Kommunikationsmaßnahmen, analog und digital, in vielen Formen und Farben.
Das Land bereitet also eine neue Standortkampagne mit einem Etat von 10 Mio. Euro vor. Fürs Kreative ist die Berliner Großagentur Scholz & Friends zuständig, für die Umsetzung vor allem die landeseigene Wirtschafts- und Innovationsagentur Niedersachsen.next.
Im Januar 2026 bekamen die Berliner nach EU-weiter Ausschreibung den Zuschlag der Staatskanzlei. Zur Auswahljury gehörten neben Regierungsleuten auch etwa der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände (UVN), Benedikt Hüppe. Denn es soll nicht um eine Wohlfühl-Botschaft gehen oder Touristik-Reklame. Sondern um Fachkräfte und Investoren.
Die Wirtschaftslobbys verlangen seit Langem eine Kampagne, die zieht. DIe UVN hatten das Institut Allensbach zur Jahreswende mit einer Umfrage beauftragt. Dabei kam heraus; Nur 26% der Deutschen finden, unser Land sei wirtschaftlich stark und attraktiv. Auch nur 25% der Niedersachsen selbst glauben das. Der UVN-Mitgliedsverband NiedersachsenMetall ließ ebenfalls fragen und stellte fest, dass den meisten Menschen zu Niedersachsen außer den Urlaubsregionen (Heide, Nordsee), Landwirtschaft und VW nicht viel einfällt.
Scholz & Friends hat beim Landesmarketing reichlich Erfahrung. Zu den Kunden gehörten zuletzt Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Für Baden-Württemberg produzierte der Scholzomat zwar nicht „The Länd“ (seit 2021, Startagentur Jung von Matt Neckar, nun Thjnk aus Berlin ), aber die legendären Klassiker „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ und „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“
„Die Erwartungen sind groß, denn die PR-Profis haben es sogar geschafft, Schwäbisch für hip zu verkaufen“, witzelte der Landespolitik-Newsletter Rundblick. Nötig sei es ja: „Flächenmäßig sind wir Vizemeister unter den Bundesländern, in der öffentlichen Wahrnehmung aber eher Ersatzbank.“
Zum Relaunch Landes-CMS auf Basis Typo3
- Layoutgeflüster | „Wann kommt der neue Style Guide für das Landes-Internet?“ Redaktionsbrief Nr. 4 (2. Februar 2025)
- Informationstechnik.Zentrum Bund (ITZ Bund): Government Site Builder (GSB)
Zur Standortkampagne
- „Standortkampagne für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen“. Niedersachsen.de (22. Januar 2026)
- “Niedersachsen und sein Image: ,Wir wollen nicht das Bielefeld der Bundesländer sein‘“. Rundblick Niedersachsen (19. Januar 2026)
- „Neues Niedersachsen-Image: Jetzt spricht die Agentur“. Antenne Niedersachsen (26. Januar 2026)
- „Niedersachsen & Friends“. Rundblick Niedersachsen (23. Januar 2026)
- „Was verbinden die Deutschen mit Niedersachsen? Klar, die Heide!“ NDR.de (28. Januar 2026)