NOTIZBLOG
▶ Die Köln-Didacta zählte 75.000 Gäste – ein Nach-Corona-Rekord. Es waren 20% mehr als im Vorjahr in Stuttgart und auch als in Köln 2024.
▶ Die Didacta bleibt eine Regionalmesse. 61% legten höchstens 100 km zurück.
▶ Der Regionalcharakter spiegelt sich in der Online-Suche, zeigt GoogleTrends. Daraus lässt sich ein Online-Kommunikationsplan ableiten. Start: 6 Monate vor Eröffnung.
▶ Nur 3% waren Gäste aus dem Ausland. Der Themenfokus ist national. Nur 8 von 2000 Veranstaltungen wurden auf Englisch angeboten.

Der Zähler blieb bei 75.000 Besuchern stehen. Das waren 15.000 Besucher oder 20% mehr als 2025 in Stuttgart, so die Schlussbilanz der Kölner Messe. Die Domstadt legte auch im Vergleich den eigenen 63.000 Gästen von 2024 fast 20% zu.
Dieser Nach-Corona-Rekord am Rhein legt die Erfolgslatte für Hannover hoch. „Eine 7 vorn wird Hannover wohl erreichen müssen“, sagt einer aus dem Vorbereitungsteam der Deutschen Messe AG aus Laatzen.

Köln schaffte noch einen Rekord: 2000 Veranstaltungen wurden an den Ständen und in den Sälen gemeldet – so viele wie nie. Bisher waren es meist zwischen 1500 und 1800 gewesen. Dagegen verharrte die Zahl der Aussteller (729 aus 58 Ländern) auf dem bekannten Niveau.

Woher kamen die Gäste?

Offensichtlich ist: Auf die hohen Zahlen kommt die Didacta nur, weil die Masse der Gäste aus nächster Nähe anreist (bis 1–2 Stunden Reisezeit).
Woher diese 75.000 Gäste kamen, hat die Messe Köln auf Anfrage des Bildungsportals aufgeschlüsselt. Zumindest, welche Reise-Entfernung sie zurücklegten.
- 61% fuhren nur bis zu 100 Kilometer, so Pressesprecher Paul Schubert.
- 37% hatten höchstens 50 Kilometer zu fahren.
- 24% legten bis zu 100 Kilometer zur Didacta zurück.
- Rund ein Viertel verbrachte bis zu 300 Kilometer auf Straße oder Schiene.
- Der Anteil der Fernreisenden, die mehr Strecke machten, lag nur bei 13%.
Unsere Grafik zeigt die Anteile an den Strecken – verglichen mit der Anreisestatistik für Stuttgart 2025 (FKM/AUMA).
Die Herkunft nach Bundesländern


Die Herkunft nach Bundesländern gab Schubert nicht an. Erfahrungsgemäß dürfte das Gros der Gäste aus NRW und auf der Rheinschiene zur Didacta gelangt sein.
Doch für Stuttgart 2025 und 2023 liegen solche Daten der Landesmesse vor.
- Stuttgart 2025 war klar ein süddeutsches Ereignis. 65% der Inlandsbesucher kamen aus Baden-Württemberg, 14% aus Bayern. Das sind addiert schon 79%. Der Rest verteilte sich auf 5% Hessen, 4% Rheinland-Pfalz, 2 % Saarland. Aus dem Norden und Osten kamen marginale Anteile (FKM/AUMA 2025).
- In Stuttgart 2023 dominierten Südländer noch stärker: 74% kamen aus Baden-Württemberg, 12% aus Bayern, addiert 86% (FKM/AUMA 2023).
Auch ohne Blick auf reale Verkehrsnetze und Reisezeiten zeigt schon ein schematischer Kartenvergleich: Köln kann sein Potenzial am besten ausschöpfen.
Die nahe Bevölkerungsdichte für die Messeplätze Köln und Stuttgart ist günstiger als für Hannover. Geografisch hat es zwar den größten 300-km-Einzugskreis im Inland. Aber der ist dünn besiedelt und hat viel weniger Schulen, Kitas und pädagogische Ausbildungsstätten. Hannovers größtes Potenzial ballt sich an der fernen Peripherie in Berlin und Ruhr-Rhein.
[KLICK] Mehr über die Messe-Geografie der 3 Didacta-Gastgeber
Die Größe des Einzugskreises sowie Einwohner- und Schuldichte und Verkehrsnetz sind die Gründe, wieso die Didacta seit acht Jahren nur zwischen Köln und Stuttgart pendelt. Vergleichen wir die Europäischen Metropolregionen: Der so definierte Großraum Hannover zählt mit Braunschweig, Wolfsburg und Göttingen 3,9 Mio. Einwohner auf 19.000 qkm, Stuttgart 5,5 Mio. auf 13.000 qkm, die Metropolregion Rheinland (Köln, Bonn, Düsseldorf, Leverkusen) 8,8 Mio. Einwohner auf 12.000 qkm. Die Bevölkerungsdichte ist hier vor Stuttgart und weit vor Südniedersachsen am größten. Zählt man die ganze Metropolregion Rhein-Ruhr mit der Nordhälfte nebst Duisburg, Essen, Dortmund, sind 5,2 Mio. auf 4400 qkm zu addieren. Das ist also halb NRW.
Nur 3% Gäste aus dem Ausland
Die Didacta mag ein überregionales und internationales Ereignis sein. Doch der Anteil der Besucher aus dem Ausland liegt bei lediglich 3%.

So hoch war der Anteil zuvor auch in Köln 2024 (FKM/AUMA) und Stuttgart 2025 (FKM/AUMA). In Stuttgart 2023 lag er gar nur bei 1% (FKM/AUMA 2023).
Warum ist die internationale Besucherquote so klein? Das hat drei große Gründe:
- Sprachbarriere: 0,4% der Veranstaltungen auf Englisch. Nur 8 von 2000 Events in Köln wurden auf Englisch oder mit Englisch-Übersetzung angeboten (und 6 davon von nur einer Firma). So umfangreich das Rahmenprogramm auch ist, es findet nur auf Deutsch statt! Das ist völlig anders als bei den meisten großen deutschen Fachmessen.
- Fokus nationales Bildungssystem. Das Informationsangebot ist für Bildungsprofis aus dem Ausland nur bedingt übertragbar; das gilt selbst für Österreicher und Schweizer. Die didacta ist vor allem eine Plattform fürs deutsche Bildungswesen.
- Regionale Fortbildungsfunktion: Die Messe macht Masse, weil sie sich als Fortbildung vermarktet. Das zieht Fach- und Leitungspersonal aus nahen Schulen und Kitas an, die wissen, dass sie im 2-Jahres-Turnus in Köln und Stuttgart diese Chance haben.
Es gibt natürlich Ausnahmen. Das Auslandsschulwesen zum Beispiel. Erst recht ist die EdTech-Szene ist viel internationaler als die an Sprache, Kultur und öffentliche gebundenen Verlage und Verbände – oder die Ausstatter, die ihr Hauptgeschäft mit deutschen Kommunen machen.
Für die internationalen Märkte gibt es Ableger, an denen Didacta-Verband und die Kölner und Stuttgarter Messegesellschaften beteiligt sind: Didacta Italia (Florenz) und Didacta Asia (Bangkok).

Anteil der Bildungsbereiche

Nur schätzen kann Paul Schubert, aus welchen Bildungsbereichen die Messebesucher kamen:
- Mehr als ein Drittel aus der Schule,
- grob ein Drittel aus der frühen Bildung,
- der Rest sonstige, etwa Aus- und Weiterbildung, Therapie, Wissenschaft oder Technologie.
[KLICK] Mehr über das Besucherprofil erfährt man aus der Vorjahres-Bilanz Stuttgart ’25.
Berufliche Stellung: 27% der Besucher bezeichneten sich als Lehrkräfte oder Dozenten, 18% als andere Angestellte oder Beamte, 13% als Studierende oder Schüler, 12% als Abteilungs-, Gruppen- oder Teamleitung, 6% als Unternehmer oder Freiberufler. Das restliche Viertel spreizte sich breit auf. | Betriebsgrößen: 32% der Stuttgart-Besucher gaben an, ihr Betrieb habe 50-199 Beschäftigte, 32% nannten 10-49 Mitarbeiter. Der Rest spreizte sich über kleinere und größere Betriebe weit auf, jedoch in allen Größenkategorien unter 10%. | Häufigkeit des Messebesuchs: Für 52% war Stuttgart 2025 die erste Didacta. Im Vorjahr in Köln waren 8% dabei, bei früheren Didactas 54%. (FKM/AUMA 2025)
Außerdem hatten sich in Köln gut 120 Presseleute akkreditiert – vom Deutschlandfunk bis RND und Sat.1, Fachzeitschriften und Webportale von Bildungsklick, News4Teachers bis zum BiP Niedersachsen. Wahrscheinlich waren aber deutlich mehr Journalisten und Kommunikatoren da.
Wo und wie im Netz das Interesse an Köln wuchs – GoogleTrends-Analyse
Öffentliche Daten zum Web-Suchvolumen erlauben indirekte Schlüsse, die die hohe regionale Konzentration bestätigen.
Die Suchanfragen-Statistik bei Google Trends belegt, dass von Oktober bis März das Interesse in NRW an der Didacta am größten war – in der Grafik gesetzt als Wert 100. Rheinland-Pfalz erreichte 2/3 dieses Werts. In der Nachbarschaft bekam die Messe in Hessen, im Saarland und Niedersachsen noch knapp halb so viel Aufmerksamkeit wie in NRW. Im Rest Deutschlands war es mau. Auf Ebene der Städte sah GoogleTrends nur zwischen Siegburg und Solingen sattes Klickgeschehen.

Wann das Messe-Interesse wuchs, weiß Google Trends auch. Messbar wurde das Interesse Ende Oktober. Im Dezember 2025 kam der erste Buckel, als der Ticketverkauf begann (so wird es auch Ende 2026 sein). Ab Mitte Januar kroch die Kurve langsam aufwärts, ab Ende Februar stieg sie steil. Der Höhepunkt kam mit der Messewoche. Dann kollabierte die Suche sofort.

Der Countdown
Diesen Kurven entsprach das strategische Crescendo der Online-Kommunikation von Ausstellern, Messe, Didacta-Trägerverband, Verbände- und Fachmedien, das sich beobachten ließ.
Es war geradezu eine Kampagne als Serie von Kommunikationsereignissen und Medienschüben. Die Schlagzahl wurde gezielt erhöht, wenn die Leute den Messebesuch planten, Hotels und Tickets buchen. Oder wenn sie ihre Agenda zusammenstellten.
- 6 Monate vorher: Aufbauphase 1. Ankündigungen der Messeteilnahme und Wir-sind-dabei-Botschaften. Ab jetzt konsistentes, geplantes, wiederholtes Kommunizieren.
- 3–4 Monate vorher: Aufbauphase 2. Inhaltliche Kommunikation beginnt mit Themen-Artikeln zu Schwerpunkten, ersten Einladungen zu Veranstaltungen und Vorträgen.
- 1–2 Monate vorher: Sweet Spot. Fokus auf konkrete Termine, Sneak-Peek-Einblicken in die Messevorbereitung.
- Letzte 4 Wochen: Heiße Phase. Hohe Frequenz in sozialen Medien (besonders berufliche Plattformen wie LinkedIn) und E-Mail- / Newsletter-Marketing.
- Letzte 2 Tage vor Eröffnung und Messetage: Last-Minute-Infos zu Terminen, Ad-hoc-Berichte und Live-Streaming.
- Messetage und 2 Nach-Messe-Wochen: Nachberichte, Rückblicke (Fachmedien, Newsletter, Websites) und Teilnehmer-Echo / Themen-Diskussionen auf sozialen Medien.
Für Hannover muss man sich die GoogleTrends-Kurven um einen Monat nach vorn versetzt vorstellen. Denn die Didacta wird vom 23. bis 27. Februar 2027 stattfinden, also drei Wochen früher als die März-Messe in Köln.
6 Monate vor der Hannover-Didacta, das ist exakt der 23. August 2026. Ganz kurz nach den Sommerferien. Von heute an schon in 4 1/2 Monaten oder in 140 Tagen. Es ist keine lange Zeit für die Bildungsportal-Redaktionen, den Kommunikationsplan für ihre Themen zu erarbeiten.
Fotos und Grafiken: Marco Althaus