Eine redaktionelle Orientierungshilfe zur Messe-Kommunikation 2026|27
NOTIZBLOG
⯈ Heimspiel nach 9 Jahren: Didacta kehrt vom 23. bis 27. Februar 2027 nach Hannover zurück
⯈ Zu erwarten: 700 Aussteller und 60.000 Besucher
⯈ Das MK richtet ein Didacta-Büro ein
⯈ Didacta im Bildungsportal : Ideensuche in Redaktionsteams
⯈ Messestände von Ministerien: Interaktiver, inszenierter und „instagrammable“
⯈ Hintergrund: Die Wette auf Hannover | Messegeschäft: Wer die Didacta organisiert, trägt und vermarktet
Es ist wie mit der Expo: Um sich die Bilder der letzten Riesenschau in Laatzen vor Augen zu holen, kramt man tief in der Erinnerung. Die Didacta war zuletzt 2018 hier. Seitdem pendelte die Messe nur zwischen Stuttgart und Köln.
In Köln laufen zurzeit die Akkuschrauber heiß, damit die Didacta 2026 („Alles im Wandel“) am 10. März eröffnen kann. Derweil sortiert sich der niedersächsische Kultus für die Folgemesse.
Exakt 11 Monate, 1 Woche und 2 Tage nach dem Torschluss am Rhein will Julia Willie Hamburg die Didacta Hannover eröffnen.
Die Didacta ist nicht nur eine Fachmesse. Sie wird ein Großereignis für unseren Geschäftsbereich – fachlich und bildungspolitisch. Das wird sich im BiP spiegeln – und dürfte fast alle Redaktionsteams betreffen.
Hamburg will eine „Werkschau für Bildung made in Niedersachsen“

Ministerin Hamburg lässt keinen Zweifel daran, dass sie einen erstklassigen Auftritt des Landes erwartet.
Schon nach Unterzeichnung des Messe-Vertrags am 12. Mai 2025 gab sie ihr Ziel vor: „Mit der Didacta 2027 wird Hannover zum relevanten Ort der bundesweiten Vernetzung und des Austauschs der Bildungsakteure.“
Ihre Rede am 13. Januar beim Hildesheimer NLQ-Neujahrsempfang setzte eine weitere Zielmarke.
„Auch wenn ich weiß, dass einige von Ihnen schon ganz schön schwitzen“, sagte Hamburg, „ich glaube, dass es unser gemeinsamer Anspruch ist, dass es nicht nur eine normale Bildungsmesse wird, sondern dass wir sie auch als Werkschau dafür nutzen, was Bildung ,made in Niedersachsen‘ bedeutet.“
Es geht ihr auch um Fortbildung, unterstrich sie gegenüber dem dafür zuständigen NLQ. Auf und über die Messe sei es möglich, Lehrkräfte für Angebote zu erreichen, für die sie sonst nicht erreichbar seien.
In Hildesheim kündigte Hamburg an, dass für die Didacta-Planung bei Silke Feser, Leiterin der MK-Abteilung 2 (Schulformübergreifende Angelegenheiten) ein Büro eingerichtet werden soll, in dem die Fäden zusammenlaufen.
Den Aufgabenzuschnitt verriet schon die öffentliche MK-Jobofferte Ende 2025 in Karriereportalen und sozialen Medien: Mit dem neuen Schreibtisch in Referat 23 (Politische Bildung, Gedenkstätten, Globales Lernen, BNE, Mobilität) „ist die Leitung der Geschäftsstelle ,didacta 2027′ verbunden, welche mit der strategischen und operativen Vorbereitung der Bildungsmesse befasst ist“. Als Aufgaben wurden benannt: „Gesamtkoordination & Projektsteuerung, Inhaltliche Konzeption, Budget- & Finanzsteuerung, Stakeholder-Management & Partnerschaften, Qualitätsmanagement & Evaluation“. Verlangt war mehrjährige Berufspraxis in der „strategischen Kommunikation“. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehört freilich nicht zum Portfolio, die verbleibt in der MK-Pressestelle.
Die kommende Kommunikationswolke
Wird unsere Ministerin die Didacta eröffnen? Vielleicht. Traditionell tut es ein ranghoher Würdenträgers aus Landes- oder Bundespolik gemeinsam mit dem Präsidenten des Didacta Verbandes und dem Messechef.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gab sich 2024 in Köln die Ehre; ob er es diesen März wieder tut oder Schulministerin Dorothee Feller spricht, wird erst kurz vorher bekannt werden. In Stuttgart 2025 stieß Kultusministerin Theresa Schopper die Messetüren auf. Bei der letzten Hannover-Didacta 2018 war es Hamburgs Vorgänger Grant Hendrik Tonne.
Sicher werden Ministerin Hamburg und ihre gesamte Führungsebene fast täglich auf der Messe sein. Wie das abläuft? Hier lässt sich kiebitzen:
- Was das NRW-Schulministerium für die Kölner Didacta 2026 plant und was das Kultusministerium Baden-Württemberg in Stuttgart 2025 absolvierte.
- So war es in Hannover 2018: Minister Tonnes persönliches Messeprogramm (PDF-Download) und die komplette MK-Programmbroschüre 2018 (PDF-Download).
Wie kann das Bildungsportal die Aktivitäten des Geschäftsbereichs auf und rund um die Didacta begleiten? In den kommenden Monaten werden sowohl zentral als auch dezentral in vielen Redaktionstemas Ideen gesammelt werden.
- Spätestens nach den Sommerferien müssen erste Seiten live sein. Immer im August stellt der Didacta Verband Motto und Leitthemen vor. Die 6-monatige Vermarktungskampagne beginnt.
- Das Minimum im Bildungsportal wäre eine simple Landing Page mit Basisinformationen.
- Ehrgeiziger wäre ein Messe-Portal mit einer Messe-Redaktion auf Zeit, die ab Sommer alle Didacta-bezogenen Beiträge aus dem ganzen BiP kuratiert, über mehrere Monate einen Messe-Projekt-Kanal betreibt und das BiP in die Messeaktivitäten integriert.
Doch: Welchen Mehrwert für die BiP-Zielgruppen müssten unsere Seiten liefern? Wie unterscheidet sich unser Inhalt vom Verkaufsmarketing des Veranstalters und dem PR-Wirbel der Aussteller?
In diesen Wochen sieht man staunend zu, wie sich zur Kölner Didacta ’26 die Kommunikationswolke auftürmt:
- Die Veranstalter bestücken eine Messe-Website einschließlich Web-Journal und Newsletter, dazu LinkedIn, Instagram, Facebook, ein Podcast und weitere Fachmagazine aus dem Verlagskontor des Didacta Verbands.
- Zahlreiche Aussteller – ob Firma, Verband, Institut, Stiftung oder Community-Plattform – fahren früh ihr Web- und Social-Marketing hoch.
- Manche bieten Besucher-Guides wie Betzold, Cornelsen oder 4teachers. Oder sie locken mit Rabatten oder Gratis-Ticket-Verlosungen wie das DIPF oder Fit4Ref (ein Medium des Versicherers AXA/DBV).
- Wenn die Messe erst läuft, werden soziale Medien überquellen von Live-Events und Reporter-Formaten wie Cornelsens „Standsafari“, die journalistische Berichterstattung imitieren – die es in unabhängigen Fach- und Publikumsmedien auch noch gibt.
- Außerdem plaudern private Influencer auf YouTube, Instagram, TikTok oder in Podcasts.
So bauen Ministerien ihre Erlebniswelt
Früher war die Amtskommunikation auf Messen spröde. Man stellte Broschürenständer unter das Landeswappen und eine Schale dazu, in der Gummibärchen hart wurden. Man überließ das Info-, Edu- und Politainment kommerziellen Ausstellern.
Doch: Eine Messe ist nie nur für den Kopf. Außer nackter Information und nüchterner Transaktion braucht es das Basarhafte, das Gedrängel, das Summen der Gespräche, die Illusion des Exklusiven und Besonderen, die Event-Geselligkeit. Diesen Teil der Verkaufsförderung haben Unternehmen schon immer verstanden.
Heute wollen auch Behörden die Messe als Erlebnis auskosten. Das ist der Generaltrend institutioneller Kommunikation und hat auch mit der Fachkräfte-Rekrutierung zu tun.
Mit Hilfe von Event- und Design-Agenturen wird kräftig ästhetisiert, inszeniert, gamifiziert und eventisiert. Dafür ist die Didacta sogar besonders geeignet – denn sie war seit Gründung 1951 ja im Kern schon immer eine Messe für Medien und Kommunikation.

Erlebbare, begehbare Bildungsinnovationen
Ein typischer Land-Stand gibt sich als Kreativ-Labor, in dem die Bildungszukunft schon heute gemacht wird. Der Spieltrieb wird gelockt durch Ed-Tech-Attraktionen, und anfassen ist erwünscht: Gläserne Klassenzimmer, Maker-Spaces, interaktive Lernräume, Simulatoren, Quiz-Terminals, Virtual & Augmented Reality, Roboter.
Mal ist der Stand eine Pop-up-Boutique mit exklusiven Erlebniszonen. Mal wird dem Standpublikum wie in einem TV-Studio suggeriert, hier passiere gerade live etwas Wichtiges, oder beim Experten-Talk höre man etwas noch nie Gehörtes. Am besten von Promis, die die Besucher locken (TV- und Internet-Stars, zur Not Politiker und Professoren). Eine Dosis Kirchentagsseminar mit Sinnstiftung auf Sitzwürfeln gehört auch dazu – für Werte und Tiefgang, Partizipation und Austausch auf Augenhöhe.
Die Behörde wird „instagrammable“
Man animiert Besucher zum Knipsen, Filmen, Teilen in sozialen Medien. Weil ein Messestand digitale Reichweite braucht, baut man Fotospots und Filmsets für die Selfies und Shorts der Besucher – und gibt ihnen Requisiten in die Hand. Social-Fotowände sieht man auch öfter.
Visuelle Design-Ansprüche
Die Messe-Kulisse wird zur Message. Wände, Tresen, Loungemöbel und Treppchen sind Werbeflächen für die Landes-Marke. Farb- und Licht-Design verdrängen das Hallengefühl und machen den Stand gastlich. Weithin sichtbare Deckenabhänger, Banner, Roll-ups, Beachflags und multimediale Kundenstopper sind ohnehin Standard, um Bummler in den Stand zu locken. Ein- und ausfließendes Laufpublikum ist selbst notwendiger Teil der visuellen Inszenierung.

Der Programm-Marathon
Jede Didacta hat 1500+ Veranstaltungen. Das Überangebot setzt jeden Aussteller unter Druck.
⯈ Klotzen, nicht kleckern:
2018 stellte das MK Niedersachsen einen ganzen Kongress „Multiprofessionelle Arbeit in der inklusiven Schule“ und – mit dem Mitveranstalter Verband Bildungsmedien e.V., einer Interessenvertretung von Schulbuch- und Software-Verlagen – ein 25 Events starkes „Forum Unterrichtspraxis“.
⯈ Storytelling am Stand:
Noch einmal, ein Stand ist kein Katalog und kein Schauregal, sondern eine Bühne. Dort muss eine Geschichte über das Bundesland erzählt werden. Auf den Didactas sind die Stände der Gastgeber-Ministerien so groß, weil dort mehrere Behörden und Partnereinrichtungen eine gemeinsame Story ausbreiten.
2018 suchte unser MK 14 Schulen aller Typen aus, die sich selbst in die gemeinsame Niedersachsen-Story einweben durften. Eine Story, die für Besucher begehbar ist und die einem roten Faden folgt. Menschen stellen vor, welche Probleme sie mit welchen Lösungen überwunden haben.
Lob, Preis und Prestige
Preise und Ehrungen werden auf der Didacta täglich verliehen. Manche sind Medien-Höhepunkte. Mit Weihrauch und Lobeshymnen wird die Messe als Hochamt festlich gefeiert.
⯈ Zu den großen Preisen gehören z. B. „Cornelsen Zukunftspreis“ für Schulen, „Didacta Start-up des Jahres“ und „Didacta-Bildungsbotschafter“.
⯈ Niedersachsens eigene Landespreise könnten in die Messewoche gezogen werden, um die Aufmerksamkeit des überregionalen Ereignisses für die regionalen Awards zu nutzen.
⯈ Bei manchen Ehrungen wird man wie üblich der gastgebenden Ministerin eine Rolle antragen: Hier soll sie eine Laudatio halten, dort eine Trophäe überreichen, dort die Jury anführen.
Beispiele: 2018 vergab Minister Tonne den „Deutschen eTwinning-Preis“ der KMK für Europaprojekte und die Landespreise „schule digital.niedersachsen“, „Medienkompetenz N-21“ und die „Niedersächsische Auszeichnung für besonders verlässliche Ausbildung 2018“.
Politische Impulse und Duftnoten
⯈ Startschüsse für politisch wichtige Projekte
gibt man gern vor Messepublikum ab. Oder setzt Meilensteine. So verkündeten der Verein N-21 (Niedersächsische Bildungscloud) und die BMBF-geförderte Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts ihre strategische Kooperation.
⯈ Große bildungspolitische Reden
gehören auch zu dieser Messe, denn nirgendwo kommen so viele Bildungspolitiker zusammen wie hier. Mitglieder der KMK geben sich die Klinke in die Hand. Auch Kita- und Schulträger bevölkern die Messeflure. 2018 hielt Minister Tonne die Messe-Eröffnungsrede und sprach bei der Kommunalen Bildungskonferenz vor Landräten und Rathauschefs.
⯈ Die Lobbyszene netzwerkelt
bei zahllosen Empfängen, Parlamentarischen Abenden und sonstigen Polit-Dialogformaten in, neben und hinter den Kulissen. Jede Didacta ist eine Kontaktbörse für Interessenvertreter von Verbänden, Firmen, Gewerkschaften, Stiftungen, Agenturen und Anwaltskanzleien.
⯈ Politische Kontroversen und Eklats
kommen vor. 2025 bezogen in Stuttgart mehrere Parteien Messestände. Gegen den AfD-Stand gab es täglich Demonstrationen. Medienwirksam protestierte Marina Weisband („Aula“), indem sie ihre Ehrung als „Bildungsbotschafterin“ ablehnte. Nun hat der Didacta Verband beschlossen, dass gar keine Partei mehr einen Stand haben darf.
Hintergrund: Das Schrumpfen der Didacta
In den letzten Jahren hat sich die Didacta bei gut 60.000 Besuchern und 700 Ausstellern eingependelt. Damit zählt sie zu den mittelgroßen Fach- und Leitmessen mit internationaler Relevanz. Zur Einordnung:
- Die Didacta zählte in den 2010er Jahren mehrfach 100.000 Besucher – immer in Köln, zuletzt 2019. In jenem Rekordjahr vor Corona mieteten sich 915 Aussteller ein.
- Im Vergleich dazu hat eine normale Didacta heute rund 40% weniger Besucher, 25% weniger Aussteller und 25% weniger vermietete Bruttofläche, früher bei 70-80.000 qm, heute 50-60.000 qm.
- Größenvergleich: die Frankfurter Buchmesse zieht laut Buchmarkt.de rund doppelt so viele Fachbesucher an – und noch einmal so viele private Kartenkäufer an den Publikumstagen.
Corona beutelte die Didacta. 2020 fiel sie aus. 2021 gab es sie in Stuttgart nur digital. 2022 begann Köln mit nur 35.000 Besuchern und 555 Ausstellern die mühsame Reha.
Nach drei Pandemie-Jahren war keine Messe in keinem Wirtschaftszweig mehr, wie sie mal war. Die Geschäftsmodelle waren in Frage gestellt. Heute ist der Modernisierungs-, Effizienz- und Konkurrenzdruck hoch wie nie. Das lässt sich leicht aus den Studien des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA) herauslesen.
Die Wette auf Hannover

Datenquellen: Messegesellschaften, Presse, Wikipedia
Nach Corona gab es plötzlich keinen Turnus mehr, in dem Hannover bei jeder dritten Didacta als fester Wechselstandort „dran“ war. Die Leinestadt wurde aus der Rotation ausgeschlossen. Nie offiziell, aber de facto. Warum? Im schwierigen Marktumfeld schauen die Aussteller – voran die Schulbuchriesen, die bis zu siebenstellige Summen in ihre Messepräsenz investieren – genau auf die Kennzahlen.
- Niedersachsen war sechsmal Gastgeber zwischen 2001 und 2018. Hannover wechselte sich alle drei Jahre mit Köln und Stuttgart ab.
- Hannover zog stets spürbar weniger Besucher als Köln und Stuttgart. Die beiden Rivalen haben in ihren hoch verdichteten Einzugsgebieten mehr Publikumspotenzial und Bildungseinrichtungen, und auch die Anreise aus dem Ausland ist leichter. (Die Didacta war schon immer europäisch und ist seit Jahren auf Globalisierungskurs.)
- Bilanz 2012: Nur in diesem Jahr knackte Hannover die 80.000-Besucher-Marke, die Köln und Stuttgart stets erreichten. Über die 875 Aussteller war die Deutsche Messe AG hocherfreut. Aber dann wurden beim „Bildungsgipfel im Flachland“ die Zahlen flacher.
- Bilanz 2015: 72.000 Besucher sahen sich in Hannover an fünf Tagen bei 778 Ausstellern um, so der After Show Report 2015.
- Bilanz 2018: 73.000 Gäste besuchten 840 Aussteller, davon rekordhafte 130 aus dem Ausland, berichtete B-I-T-Online damals.
Im Folgejahr 2019 holte Köln 915 Aussteller und 100.000 Besucher, also 75 Aussteller und 27.000 Gäste mehr als Hannover. Auf diesen Höhensturm folgte der Corona-Absturz. Danach setzte die Branche nur auf die zwei stärksten Messestandorte im Westen und Süden, der Norden ging leer aus. Sehr, sehr lange. Hannover litt an Long-Covid.
Zu Recht freute sich Ministerin Hamburg im Mai 2025 über einen „Coup“. Ihr überraschender Verhandlungserfolg war ein Durchbruch nach zähem Ringen. Nur wegen des schönen Februarwetters kommt keiner nach Hannover. Vermutlich war es hilfreich, dass der frühere Kultusminister Tonne inzwischen als Wirtschaftsminister die Landesregierung im Aufsichtsrat der Deutschen Messe AG vertritt. Es galt, ein attraktives Paket zu packen.
Während sich die Kultusministerien von NRW und BaWü 2025/26 nur als „Schirmherren“ der Didactas an Rhein und Neckar nennen, geht das Engagement an der Leine 2027 weiter: „Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und der Landeshauptstadt Hannover durchgeführt“, heißt es amtlich.
Nun hängen die Erwartungen hoch. Die Didacta ’27 muss „liefern“, und damit sind harte Euros gemeint. Der wirtschaftliche Erfolg wird entscheiden, ob das Comeback dauerhaft ist und der frühere Turnus Stuttgart–Köln–Hannover wieder hergestellt wird.
Wer führt Regie bei der Messe?
Veranstalter ist 2027 die Deutsche Messe AG in Hannover. Deren Eigentümer sind das Land und die Stadt Hannover. Auch bei Koelnmesse und Messe Stuttgart gibt es dieses öffentliche Ko-Eigentum.
Bei einer Didacta ist es wie bei jeder anderen Messe: Jede örtliche Messe-Gesellschaft vermietet die Flächen und verkauft Eintrittskarten. Sie akquiriert Messen, um damit Gewinn zu machen.
Während die örtliche Messegesellschaft als operative Maschine für Logistik, Hallenplanung und Vertrieb sorgt, liefert der ideelle Träger – oft ein Branchenverband – das inhaltliche Programm und die nötige Reputation.
Es ist eine „Ehe auf Zeit“, besiegelt durch Kooperationsverträge. Sie regeln Aufgabenverteilung und Mitspracherechte bei der Themenwahl, wie die gemeinsame Vermarktung läuft, wer welche Marken, Logos und Namen benutzen darf und wie am Ende die Erlöse aufgeteilt werden.
Ideeller Träger der Messe ist der Didacta Verband e. V. in Darmstadt, der sich als „Verband der Bildungswirtschaft“ versteht und seine Messe als „Branchentreff“. Die Verbandshistorie ist lang, denn schon vor einem Jahrhundert hatten Lehrmittelhersteller und Schulbuchverlage Interessen zu vertreten. 1951 legte er als „Deutscher Lehrmittelverband“ in einer Schule bei Frankfurt die erste „Europäische Lehrmittelmesse“ auf, die er 1956 auf den Namen Didacta taufte und durch Europa tingeln ließ. 1999 verschmolz sie mit der Konkurrentin Interschul (erstmals 1960) zur modernen Bildungsmesse Didacta, wie wir sie kennen.
Der Verband zählt heute 240 Unternehmen als Mitglieder, so seine Angabe im Lobbyregister des Bundestags. Es gibt viele Mittelständler und Konzerne mit Milliardenumsatz, dazu einige Verbände und Non-Profits. 256 Einträge finden sich in der aktuellen Mitgliederliste.
Die Messeverträge besorgt die Didacta Ausstellungs- und Verlagsgesellschaft mbH, eine 2006 gegründete Tochterfirma des Verbands. In ihrem Jahresabschluss 2024 im Bundes-Unternehmensregister liest man von 2,9 Mio. Euro Bilanzsumme und 820.000 Euro Überschuss. Das Verlagsgeschäft hat viel mit der Messe zu tun, denn in allen Kanälen wird unter demselben Markennamen für die Messe getrommelt. Zu den Titeln gehören Bildungsklick.de nebst YouTube-Kanal, didacta Magazin für lebenslanges Lernen, didacta Digital, Meine Kita — didacta Magazin für die frühe Bildung und Bildungspraxis — didacta Magazin für berufliche Bildung.
Die Messe ist ein Markt
Die Messe ist keine Prestige-Party für den Kultus. Sie ist Gewerbe pur. Das Geschäft von Messeveranstaltern ist es, Tickets zu verkaufen und Stände zu vermieten. Das Geschäft der Aussteller ist es, auf diesem Marktplatz zu verkaufen.
Sie messen ihren Erfolg am Umsatz, den sie auf die Didacta zurückführen. Zwar ist die Didacta keine klassische Ordermesse, bei der am Stand um 50.000 Turnschuhe gefeilscht und der Kaufvertrag unterschrieben wird. Die Didacta ist eher Informationsmesse. Aber trotzdem: Nur wenn das Anbahnen der Geschäfte klappt, ist die Didacta in den Augen der Aussteller gelungen.

Dafür zahlen Aussteller wuchtige Mieten. Wer jetzt noch schnell für Köln im letzten Dutzend freier Stände buchen will, muss im Online-Standkostenkalkulator tapfer sein. Ein winziger 9 qm-Reihenstand – kleiner wird’s nicht – kostet nebst Marketing- und Werbekostenservice der Messegesellschaft 3500 Euro. Ist man eine große Firma mit Verkaufsabsichten, sagen wir iServ, wäre eher ein 200 qm Blockstand (4 Seiten offen) angemessen. Dafür würden 70.000 Euro fällig.
Aber das wäre nur ein leeres Stück Fußboden. Nicht inklusive: Messemöbel, Design, Material, Personal, Veranstaltungsprogramm, Catering, Energie, Reinigung, Transport, Hotel- und Reisekosten und die ganze PR und Promotion.
Eine alte Faustregel lautet: Standmiete mal 10, das ist das Messebudget. Jedenfalls, wenn man auffallen will und nicht nur dabei sein. Auffallen wird aber immer schwieriger.

Ihre Ideen sind gefragt: Gestalten Sie die „Werkschau“ mit!
Die Didacta 2027 in Hannover ist mehr als nur ein Termin im Kalender. Weil Ministerin Hamburg sie als „Werkschau“ des Landes konzipiert, wird auch die Sichtbarkeit unserer Portalinhalte neue Relevanz erfahren.
Anstoß für Ihre nächsten Teamsitzungen: Nutzen Sie die kommenden Planungsrunden Ihrer Redaktionen und Arbeitsgruppen, um das Thema Didacta frühzeitig mitzudenken. Es geht nicht um kurzfristigen Aktionismus, sondern um eine strategische Einordnung:
- Sichtbarkeit: Welche Ihrer Schwerpunkte oder Projekte haben das Potenzial, im Rahmen der Messekommunikation 2026/27 Beachtung zu finden?
- Vernetzung: Wo ergeben sich Schnittstellen zwischen Ihren Fachinhalten und dem zentralen Messe-Angebot des BiP?
- Eigenregie: Wie können Sie die Dynamik des Messejahrs nutzen, um Ihre eigenen Seitenbereiche und Themenportale für unsere Zielgruppen attraktiv zu platzieren?
Die Autonomie unserer Redaktionsteams ist die Stärke des Bildungsportals. Je früher die Didacta in Ihren eigenständigen Planungen eine Rolle spielt, desto stimmiger wird am Ende das Gesamtbild, das wir als „Bildung made in Niedersachsen“ präsentieren.
Unser Redaktionsbrief wird Sie regelmäßig über die strategischen Leitplanken der Presse- und Geschäftsstellen und die technischen Möglichkeiten auf dem Laufenden halten.
Bildnachweise Block: Marco Althaus, NLQ; Hamburg: Franz Fender, NLQ; Didacta-Fotos: Koelnmesse / didacta / Oliver Wachenfeld, Harald Reissner, Hanne Engwald