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▶ „Moin Bildung“ und „Kurs Nord“ sind für die Didacta 2027 als zentrale Slogans gesetzt. Die Deutsche Messe AG spielt mit weiteren Sprüchen, die typisch norddeutsch wirken sollen. Ein Nordpfeil in der Wort-Bild-Marke betont den Richtungswechsel.
▶ Blau und Rosa sind die Kampagnenfarben – nordisch kühl im Kontrast zum warmen Kölner Orange und Stuttgarter Gelb.
▶ Als ikonisches Zugpferd dient auch das Barockgenie Leibniz.
▶ Die Website didacta-hannover.de ist bereits online.
▶ Der Hallenplan zeigt die Belegung der Bildungsbereiche fürs Nordgelände in Laatzen.

Als die hochkarätige Podiumsdiskussion in Köln zum Ende kam, schob Julia Willie Hamburg rasch den Werbeblock für die Didacta ’27 ein. Sie platzierte den neuen Slogan „Moin Bildung“ und pries Hannover als Tor nicht nur zum Norden, sondern zum ganzen Osten – eine der Kernbotschaften. Hinten nickte das aus Laatzen angereiste Team der Deutschen Messe AG. Senior-Projektleiter Bernd Heinold lobte seine Schirmherrin: „Hat sie doch gut gemacht, ne?“
Minuten später bat Didacta-Verbandschef Hans-Joachim Prinz zwei Ministerinnen und alle Fotografen zur Staffelübergabe.

Der Staffelstab: ein mit „Moin Bildung“-Bauchbinde umwickelter Zylinder, ein blaues Ding zwischen Zigarren-Tubo und Flipchart-Filzer. NRW-Schulministerin Dorothee Feller verbeugte sich leicht vor der Niedersächsin und reichte das Utensil weiter.

Die Geste war groß, das Requisit etwas zu klein. Wer im Publikumspulk hinten guckte, konnte es unmöglich erkennen. Den Fotografen sah man an, ihnen wäre das gewaltige Kaliber der Kohlpflanze lieber gewesen, die Daniel Günther jüngst Olaf Lies beim Staffelwechsel als Ollnborger Gröönkohlkönig an die Brust drückte.
Immerhin: Den Didacta-Akt hob Oldenburgs Nordwest-Zeitung im Artikel „Warum Kultusministerin Hamburg einen dicken Filzstift bekommt“ auf eine Kulturstufe mit Politikbräuchen wie der Altländer Apfelprobe mit der Blütenkönigin oder dem Pfeifenpaffen beim Wildeshäuser Schaffermahl, zu dem sich Nichtraucher Lies unlängst nötigen ließ.
Manche Symbolgesten sind für die Landespolitik einfach unverzichtbar…
Messe in Küstennähe

Unverzichtbar für eine Messe ist auch ein Slogan. „Moin Bildung“ hat keine Agentur kreiert. Bernd Heinold zufolge war es die Idee eines Teamkollegen. Inspiriert vom Anmeldedienst Moin.Schule etwa? Heinold, verblüfft: „Äh nein, davon hat man uns nichts erzählt.“ Macht nichts, passt gut.
In Rosa und Blau, das sind die Hauptfarben, wirbt zurzeit ein ganzes Postkartenset mit weiteren Slogans: „Moin kluger Kopf!“, „Mehr Bildung. Weniger Nebel.“ und „Kein Tüddelkram. Bildung!“ Für nichtdeutsche Zungen gibt es „Education with a fresh breeze.“
Es klingt alles nach Küstennähe. Die suggeriert auch der blau-weiße Nordpfeil einer Windrose, den der Claim „Kurs Nord“ begleitet.
Die adrett in Dunkelblau gekleidete Crew am Kölner Messestand trug als Erkennungszeichen weiße „Kurs Nord“-Buttons am Revers. Und alle Besucher lasen auf den riesigen Displays über allen Ausgängen „Kurs Nord – wir sehen uns in Hannover“.

Kühles Blassblau statt Fantaorange

Grafiker müssen aufpassen, dass das große „N“ des Nordpfeils nicht zu sehr mit dem kleinen „d“ in Konflikt gerät, das zum Didacta-Logo gehört. Gemeinsam ist ihnen das Blassblau, in das ebenso der Schriftzug „didacta“ getüncht ist.
Als Wegweiser und Markenzeichen sind sie enorm wichtig, vom winzigen Social-Media-Signet und Favicon im Browser-Reiter und in den Suchmaschinen bis hin zur Bühnen-Deko aus Sperrholz.
Bisher gab es stets warme Signalfarben: in Köln ein Fantaorange, in Stuttgart Sonnengelb.
Blau betont dagegen die Kühle des Nordens. Wie schon 2018 übrigens, als die Didacta zuletzt Gast an der Leine war.
Gelb sind im hannoverschen Werbesortiment nur die Butterkekse, die das Marketing bei Bahlsen beschafft hat. In Köln kamen zwar auch „Moin Bildung“-Bleistifte in Umlauf. Aber das war keine Konkurrenz für die 52-Zacker aus sprödem Mürbegebäck.
Serviert wurde die gelbe Markenpackung mit blau-weißer Banderole. „Moin Bildung!“ vorn, „Kurs Nord“ hinten.
Der aufgedruckte Sinnspruch „Von Leibniz bis Bildung – wir sehen uns in Hannover“ erschließt sich Unkundigen beim Auswickeln.

Das Universalgenie ist fürwahr eine Ikone, als Botschafter einer Bildungsmesse perfekt gesetzt.
Doch was, rätseln Kölner, die an ihr Kölnisch Wasser denken mögen, hat der Keks mit Leibniz zu tun? Im Grunde so viel wie der Hering mit Bismarck, die Locke mit Schiller und die Kugel mit Mozart.
Nur eine tragfähige Brücke zwischen Leibniz und Trockengebäck wurde bisher gefunden. Der Tausendsassa grübelte 1681 über Verbesserungen militärischen Feldproviants. Er kam zum Schluss, „anstatt brodt, wolte zu zweyback rathen, denn solches leichter zu führen, kan hernach mit waßer vermischet werden so blehet sichs wieder auff“ (Teutsche Kriegsverfassung, S. 601).
Leibniz-Kenner wissen: Er gab für Bücher und Laborgerät Unsummen aus, war aber beim leiblichen Komfort ein Sparfuchs. Sein Rat taugt für hungrige Messebummler, denen die Bistros zu teuer sind.
Hannovers Bildungsmesse ist schon live

Die Website didacta-hannover.de ist selbstverständlich schon am Netz. (Oder wieder, denn die URL gibt es schon seit 2005.)
Sie ist reichlich blau, aber inhaltlich noch recht dünn.
- Man kann sich schon für den Newsletter registrieren.
- Besuchertickets sind erst ab Ende 2026 zu haben.
- Aussteller dürfen sich schon ab 15. April anmelden und Frühbucherrabatt mitnehmen.
- Überraschend dick und deutlich erfährt man: „Politische Parteien sind ausgeschlossen“. In Stuttgart hatte der AfD-Stand 2025 zum Quasi-Boykott einer ganzen Messehalle geführt. Der Didacta-Verband reagierte mit diesem Grundsatzbeschluss.
Der erste Hallenplan ist ebenfalls online. Er zeigt: „Kurs Nord“ gilt auch fürs Messegelände. Die Didacta wird sich in drei Hallen unweit der Eingänge Nord 1 und Nord 2 und des Bahnhofs Messe/Nord (Stadtbahn 1 und 18) tummeln:
- Halle 2 präsentiert Berufliche Bildung, Lebenslanges Lernen, Ausstattung für Schulträger,
- Halle 3 die frühkindliche Bildung,
- Halle 4 die schulische und außerschulische Bildung, und
- im Convention Center wird von Mittwoch, 24. bis Freitag, 27. Februar 2027 der vom NLQ organisierte Bildungskongress die Säle füllen.
Der Nordbereich hat Vorteile. Die traditionsreichen Hallen, die zum Teil aus der Nachkriegszeit stammen, sind kompakt angeordnet. Die Fußwege sind kürzer als im weitläufigen Südteil. Der Norden punktet auch mit Gastronomie und Serviceeinrichtungen.
Verschnupft dürften höchstens S-Bahn- und Fernbahnfahrer sein: Der große Bahnhof Messe/Laatzen, an dem bei großen Messen auch ICEs halten, liegt am Südeingang.
Fotos: Marco Althaus
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