Produktiver dank Pixelpause: Eine Redaktion zieht den Stecker

Für die 270 Mitglieder der Redaktion ist das Bildungsportal eine Nebenaufgabe, kein Hauptjob. Effizient soll alles sein. Um Zeit und Reisekosten zu sparen, treffen sich die meisten Teams nur virtuell, kurz und selten. Doch für strategische Aufgaben sucht das Portal Sprachbildung und Interkulturelle Bildung (SIB) Erfolg in echten langen Begegnungen. Ein Interview mit Fachredakteurin Dr. Ina Baumann über:

  • Für welche Zwecke ein „echtes“ Treffen trotz Mehraufwand besser ist
  • Warum Ihre Redaktion abseits vom Bildschirm mehr Ideen haben und mehr schaffen wird
  • Wie Sie den Ertrag dieser Redaktionskonferenz sichern und maximieren

Dr. Ina Baumann

► Wir hatten uns im SIB vorgenommen, unsere Portalstruktur zu überarbeiten. Dafür haben wir uns einen ganzen Tag getroffen. Das war sehr nützlich.

Ein Ausgangspunkt war der Bericht der Chefredaktion zur Suchmaschinen-Optimierung (SEO). Die Analyse war wie ein Zeugnis, das zeigt: Unsere Mühe fruchtet nicht so, wie sie es könnte, wenn wir Ebenen reduzieren, Seitentitel verbessern und so weiter. Der Bericht zeigte Problemstellen auf. Er enthielt viele Vorschläge, wo wir ansetzen konnten.

Wir haben unser ganzes Portal einer Struktur- und Inhaltskritik unterzogen und aus Sicht der Zielgruppen bewertet. Wir wollten Seiten zusammenlegen, Reihenfolgen ändern, neu titeln, Menüs durchdenken, die Seitenzahl in den einzelnen Navigationspunkten ausgewogener gestalten, Verantwortlichkeiten klären.

Das war kein schlichtes Sortieren. So ein Umbau der Themen-Architektur ist anspruchsvoll. Da gibt es viele Meinungen und Interessen. Das Ergebnis verdient Eigenlob. Wir haben eine ganz flache neue Struktur mit sieben Navigationsbereichen geschaffen – mit nur einer Unterseitenebene. Mein Team war super!

Studienrätin Dr. Ina Baumann (54) unterrichtet seit 2002 Deutsch und Englisch am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover. Das NLQ als Zweitarbeitsplatz kennt die gebürtige Hannoveranerin ebenso lange. Seit acht Jahren widmet sie sich der Online-Redaktion. Im BiP betreut sie die Unterrichtsfächer-Seiten Deutsch Primarstufe, Sek I, Sek II und vier populäre „Themenportale“: Leseförderung, Freiräume, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Sprachbildung und Interkulturelle Bildung (SIB). Die SIB-Themen kennt sie als echte Expertin: Mit einer Doktorarbeit zu kulturenorientierter Bildung und Erziehung hat die Leibniz-Universität sie 2015 zur Dr. phil. promoviert.

Aus dem Fotoprotokoll der SIB-Redaktionskonferenz

► Für angestaute Vorhaben, die sich nicht sinnvoll innerhalb einer Stunde online schaffen lassen. Bei komplexen Fragestellungen, bei denen abgestimmte Kreativität oder gemeinsames Brainstorming nötig ist statt stilles Texten. Wenn es nicht um schnelles Abhaken und Verwalten geht, sondern um neue Ideen und Weiterentwickeln.

Dagegen reicht die digitale Sitzung völlig aus, um alle Teammitglieder kompakt zu informieren, sich im Tagesbetrieb abzustimmen und Routineaufgaben zu verteilen.

Rund um echte Tische wird’s kreativer

► In der Präsenzsitzung ist Konzentrationsfähigkeit länger aufrechtzuerhalten. Der Austausch ist intensiver. Alle sind viel näher dran. Digitale Sitzungen ermüden viel schneller…

► Ja, und der Bildschirm ist nur ein kleiner, begrenzter Kasten im gesamten Blickfeld. Daneben liegt vielleicht das Telefon oder zu erledigende Arbeit. Im Nebenzimmer ist vielleicht das Kind. Und sogar auf dem Bildschirm selbst empfange ich Signale anderer Kontexte, oder ich kann nebenher anderes erledigen. Man wird halt viel und leicht abgelenkt.

Das „Themenportal“ Sprachbildung und Interkulturelle Bildung (SIB)

► Stimmt, das sehe ich selbst auch so. Darum ist es wichtig, dass es einen guten Grund gibt. Auch muss eine längere physische Redaktionssitzung gut organisiert, geplant und durchgeführt sein, damit das angestrebte Ergebnis wirklich erreicht wird und alle sich auf ein künftiges Treffen freuen können.  

Wenn diese Grundbedingungen gegeben sind, würde ich sagen, dass Präsenz vielfältige gute Nebeneffekte hat, die alle wertschätzen: Mehr Ideen, bessere Ergebnisse, aber auch mehr Zusammenhalt und Vertrauen.

Der gemeinsame Tag schweißt zusammen. Beim Mittagessen tauscht man sich auch über Privates aus. Man erlebt die Menschen nicht nur in 3D, sondern auch als Persönlichkeit ganzheitlicher.

Konflikte und Meinungsverschiedenheiten können im direkten Gespräch schneller und überzeugender geklärt werden. Missverständnisse lassen sich besser ausräumen.

In Ruhe kann man auch den einen oder anderen thematischen Exkurs machen und Einzelne über Hintergründe informieren.

Für uns als Fachredaktion wird außerdem viel deutlicher, wie Beziehungen und Kommunikation in dem Arbeitsbereich aussehen, mit dem wir zwar viel zu tun haben, von dem wir aber kein echter Teil sind. Wir können uns bei dem Treffen ein wenig besser in diese Strukturen einflechten.

Am besten ins Ministerium

► Das MK ist als Treffpunkt ziemlich optimal. Es hat Besprechungsräume in passender Größe, es liegt zentral. Für das Mittagessen gibt es mehrere Optionen. Menschen aus anderen Regionen waren oft noch nicht im MK und möchten es vielleicht gerne mal sehen. Dort zu tagen, vermittelt außerdem auch eine gewisse Wertschätzung für die Redaktionsarbeit am Bildungsportal.

► Ja. Sie ist Gastgeberin im eigenen Haus, falls wir uns dort treffen. Sie kann mitplanen, den Raum und die Ausstattung reservieren und moderiert vielleicht auch. Das fördert die Verbindlichkeit der Sitzung.

► Uns in der Fachredaktion wird oft angetragen, die Redaktionsteams zu koordinieren. Beim Vorbereiten der Sitzung wird sich die Person, die das Team koordiniert, mit der MK-Person genau abstimmen und gemeinsam planen.

Aus dem Fotoprotokoll der SIB-Redaktionskonferenz

Der Ablauf selbst sollte am besten wie immer sein. Nur dauern die TOPs eben länger. Ich empfehle: Dicke Brocken an den Anfang setzen. Damit man sich beim Mittagessen schon mal gemeinsam auf die Schulter klopfen kann.

Die Moderation ist auch am besten gemeinsam zu tragen. Die Person aus dem MK ist Gastgeberin, also wird sie begrüßen, das Ziel vorgeben und auf Rahmen und Zeit achten. Ihre Moderation gewährleistet, dass der Blick über das Team hinaus ins Haus, in die Politik und in die untergeordneten Strukturen wie Fachberatungen immer wach bleibt. Als Fachredakteurin würde ich eher die konkreten Details zu Struktur und Gestaltung der Seiten moderieren.

Sanft lenken, Verzetteln verhindern

► Ja, und nicht nur, weil sie für Transparenz, Übersichtlichkeit und verbindliche Konsensfindung bei komplexen gemeinsamen Überlegungen unverzichtbar sind. Sie können auch helfen, Kreativität zu entfalten.

Stellwände mit Karten haben in einem kleinen Raum großen Aufforderungscharakter. Jeder kann eben mal schnell aufstehen und etwas umstecken oder eine neue Karte schreiben.

Am besten aber steht die Moderatorin meist selbst an der Stellwand, um gleich umzustecken, was erwähnt wird.

Andere in der Gruppe folgen eher der eigenen Überzeugung und könnten sich in der Diskussion verlieren, weil sie inhaltlich meist tiefer im Thema sind als wir.

Die Moderation soll dafür sorgen, dass sich die Gruppe nicht verzettelt. Mit dem Schreiben und Ordnen von Karten kann sie Strukturen visualisieren, während die Diskussion weitergeht.

So sind Argumente und Ergebnisse gut nachverfolgbar. Das ist analog einfacher als digital. ◀

Bildnachweis Porträt: privat; Pinnwände / Fotoprotokoll: Baumann