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Die Lern- und Arbeitsplattform Niedersächsische Bildungscloud (NBC) und der Anmeldedienst moin.schule wechseln von der Landesinitiative n-21 unter das Dach des NLQ in Hildesheim. Dort entstehen zwei neue Fachbereiche, die die Projekte betreuen.

Die NLQ-Abteilung 5 „Digitalisierung und IT“, zu der auch der Fachbereich 51 mit dem Bildungsportal gehört, übernimmt die Projekte zum 1. August 2025 von der Landesinitiative n-21 Schulen in Niedersachsen online e. V.
Moin.schule wird künftig vom bestehenden Fachbereich 52 betreut, den Michio Hayashi leitet. Seine Leute sind auch für das Bildungsportal wichtig für Technik und Sicherheit unserer Server.
Ganz neu entstehen die Fachbereiche 54 (IT-Support) und 55 (Bildungsmedien-Infrastruktur).
Die Abteilung wird mit dann fünf Fachbereichen zur Steuerungszentrale und Denkfabrik der digitalen Transformation des Bildungswesens im Land. Leiter Christian Schlöndorf wird die von n-21 übernommenen Projekte operativ steuern. Die Strategie lenkt im Kultusministerium das Referat 54, das auch die Technik des Bildungsportals beaufsichtigt.
Der private Verein N21 wurde im Jahr 2000 gegründet, um Schulen ans Netz zu bringen und mit Computern auszurüsten. Ihm gehören Land, Kommunen und Unternehmen an. N21 betrieb in den letzten Jahren die Bildungscloud und den Anmeldedienst.
Es soll einen „weichen Übergang“ geben. Bis zum 31. Dezember 2025 arbeitet N21-Personal an den Projekten mit. Für die neuen Fachbereiche werden noch Köpfe gesucht, aber das NLQ übernimmt bereits Schlüsselpersonal.
In den Fachbereich 52 wechseln von n-21 Dr. Boris Heithecker, bisher beim Verein Projektleiter moin.schule. Mit ihm siedelt sein Kollege Stefan Fokken, Projektmitarbeiter NBC, nach Hildesheim über. Der neue Fachbereich 54 wird vom langjährigen NBC-Projektleiter Hanno ter Haseborg geführt werden. Christian Burrichter, Projektbereichsleiter Mobiles Lernen und NBC, soll kommissarisch an die Spitze des neuen Fachbereichs 55 treten.
Das bisherige Support-Team der NBC – das sind mehr als ein Dutzend Lehrkräfte mit Anrechnungsstunden – werden diese Fachbereiche verstärken. Angedockt sind die dezentralen Helfer bisher ans Dezernat 3 des RLSB Osnabrück. Sie wechseln nach Hildesheim.
Mehr Effizienz, mehr Akzeptanz für die NBC

„Die NBC ist als Pilotversuch mit 40 Schulen gestartet“, erläuterte Christian Schlöndorf am Freitag vor seinen Abteilungsmitarbeitern. „Dann kam die Corona-Pandemie. Das MK öffnete das Projekt. Aus 40 Schulen wurden 3500. Die NBC ist stark gewachsen, und durch den Anmeldedienst moin.schule ist der Zugang sehr vereinfacht worden. Aber die organisatorischen Ressourcen der NBC blieben gleich. Das konnte auf Dauer nicht so bleiben.“
Was dem NBC-Angebot in der Schulpraxis fehlte, wurde unter anderem im NLQ ergänzt. Doch so entstanden Sonderwege und Abstimmungsschleifen, Doppelarbeit und Doppelorganisation.
Mehr Effizienz, einheitliche Technik, zentrale Dienste für die Anwenderbetreuung, klare Verantwortung, kurze Wege und Kontinuität – das sind wesentliche Ziele der Reform. Ihre Schöpfer versprechen sich aber auch wieder mehr Vertrauen, Zufriedenheit und Akzeptanz bei den Schulen.
Rückblende: Wie die Wolke nach Niedersachsen kam
Die Vorgeschichte ist facettenreich. Das MK hatte 2017 den Auftrag für eine Cloud-Entwicklung gegeben. Mit der landeseigenen Projektsteuerung betraute man keine Behörde, sondern den schon 17 Jahre alten Verein n-21, der noch von Ministerpräsident Sigmar Gabriel mit Leinewasser getauft worden war.
Das Projekt war anfangs für unterschiedliche Lernmanagement-Plattformen diverser Anbieter offen. Schnell aber gab Kultusminister Grant Hendrik Tonne auf der Bildungsmesse Didacta 2018 eine Kooperation mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam bekannt. Die HPI Schul-Cloud wurde zum Kernprodukt. Den Löwenanteil finanzierten Digitalpakt-Bundesgelder. Schwester-Wolken entstanden in Brandenburg und Thüringen.
Die HPI Schul-Cloud war also keine niedersächsische Lösung. Mit seinem Support-Team für die Schulen organisierte der Verein n-21 eine Art Schnittstelle zwischen der HPI Schul-Cloud und den Schulen im Lande.
Geplant war, die NBC nach und nach zum Schuljahr 2021/22 einzuführen. Doch es kam alles ganz anders. Sie schaltete viel früher vom Test- in den Regelbetrieb.
Covid-19 führte im März 2020 zum ersten Lockdown. Zu diesem Zeitpunkt verfügten viele Schulen über keine Lernmanagementsysteme wie IServ oder itsLearning, sollten aber über Nacht ins Distanzlernen übergehen. Was tun?
Am 25. März 2020 rief der Landtagspräsident als TOP 6 die Frage auf: „Welche Auswirkungen hat das Corona-Virus auf Niedersachsen?“ Kultusminister Grant Hendrik Tonne trat ans Rednerpult: „…wird entgegen der bisherigen Planung der bestehende Prototyp der Niedersächsischen Bildungscloud ab Mai dieses Jahres flächendeckend angeboten“. Wegen eines Hacker-Angriffs im Saarland bremste Tonne aus Vorsicht noch einmal ab und ordnete Sicherheitschecks an. Im Juni 2020 gab er grünes Licht. Nach und nach wurden die Clouddienste ausgebaut.
Der Himmel war nicht immer wolkenlos über der NBC. Das Projektteam hat darüber in seinem Begleit-Blog manches öffentlich geteilt. So schilderten Hanno ter Haseborg und Stefan Fokken im April 2021 (zu diesem Zeitpunkt waren 1600 Schulen in die neue Wolke eingetaucht) , wie Benutzer beim N21-Support Dampf ablassen. Die Pandemie sorgte rundum für viel Stress.
Auch politisch hat die NBC einiges aushalten müssen. Beim Landtag stapelte sich im Laufe der Jahre eine stattliche Anzahl an Drucksachen, die Nutzen und Nutzung der NBC thematisierten – wie ein Blick in die Parlamentsdatenbank NILAS offenbart. Dazu zählte im Juni 2025 auch der Jahresbericht des Landesrechnungshofes (Seite 127 bis 133). Die Hildesheimer Behörde hatte 2023 selbst alle allgemein- und berufsbildenden Schulen im Land zur NBC-Nutzung befragt und anschließend freundliche Impulse zur Weiterentwicklung gegeben.
Aus Erfahrungen wird man klug, sogar Behörden. Mit der Entscheidung, die Datenwolke vom Privatverein zurück in die reguläre Linienverwaltung zu holen, drückt das Kultusressort sein organisatorisches Rückgrat durch. Zwar ist noch einiges im Haushalt zu regeln, es geht um Millionenbudgets und reichlich Personal. Aber das Prinzip „Alles unter einem Dach“ des NLQ dürfte viele überzeugen. Es ist ja viel mehr als eine Frage entschlackten Verwaltungsaufwands oder höherer Servicequalität, wenn ein Kunde Kummer hat und einen Kümmerer braucht.
Mit halsbrecherischem Tempo fährt der digitale Wandel durch die Medienwelt. Angebote für Schulen und Lehrkräfte müssen mithalten. Immer schneller braucht es Updates, Upgrades und Ideenschübe. Bei diesem Entwicklungstempo nicht auszufransen, sondern stimmige, verlässliche Produkte für die Pädagogik im Betrieb zu halten – das ist die Herausforderung. Die Chance, sie zu meistern, dürfte mit der Reorganisation erheblich gestiegen sein.