Menschen im Portal: Olaf von Maydell – der Vernetzer

Olaf von Maydell liebt Netze. Er knüpft Knoten, wo sie Menschen und Wissen zusammenführen, und löst sie, wo sie den Informationsfluss verstopfen. Im Bildungsportal hat der 58-Jährige aus Springe eine Schlüsselstellung. Er koordiniert den Großteil der Teams im Menü „Berufliche Bildung“. Das sind 300 von 4600 Seiten im Bildungsportal.

Seine Redaktion hat sich in außergewöhnlicher Form organisiert. Hier erklärt er, warum das so ist – und was das mit der Unternehmenskultur der schwedischen Mobilfunkfirma Ericsson zu tun hat. Von Maydell ist ein Online-Pionier. Er half vor zwei Jahrzehnten schon die Ur-Pixel des NiBiS füllen. Seitdem hat keiner als Trainer so viele Leute im Web-Seitenbau geschult wie er. Mit Augenzwinkern verrät er seine Tipps fürs Redaktionsmanagement.

Olaf von Maydell vor der Heckklappe seines Elektro-Käfers — Foto: privat

Olaf von Maydell ist Experte für Informationstechnik. Doch wer ihn privat besucht, stößt nicht zuerst auf Kabel und Platinen, sondern Stroh, Pferdemist und Sattelleder. Sein Tag beginnt, wie er selbst sagt, in einer „heilen Welt“, im 530-Seelen-Dörfchen Alferde. Das ist ein Ortsteil von Springe am südhannoverschen Deister. Gemächlich fließt der Mühlenbach vorbei an einem charmanten Resthof. Hier lebt der Redaktionskollege mit seiner Liebsten, drei Rössern, zwei Hunden und eigentlich auch einem E-Käfer, der aber zurzeit in der Schulgarage steht.

60 Jahre hat das VW-Schnauferl auf dem Buckel, und „ja, der hat noch TÜV“. Aber keinen Tank mehr, und der Auspuff ist reine Deko. 2016 hat er den Knatterkäfer in einen leisen Stromer verwandelt. Eines von vielen Schrauberprojekten mit seinen Klassen an der Werner-von-Siemens-Schule, einer großen Technik-BBS in Hildesheim.

„Einfach mal machen“

Die deutsche Berufsbildung ist ein kompliziertes Geflecht und für Nichtfachleute verwirrend. Auch unter den Redaktionsteams sticht sie heraus. Etwas geheimnisvoll raunen die Berufsbildner von zehn „Clustern“, denen je 6–9 Personen zugeordnet sind. Dahinter stecken Fächer, Lernbereiche, übergreifende Schulthemen. Von Maydell ist der Koordinator der „Clusterverantwortlichen“.

Im Verlagswesen hieße das Produktionsredaktion. Andere liefern die Artikel – diese Hände kneten die Veröffentlichungsform und bringen sie zum Leser. Dafür schließen sie enge Freundschaft mit der Produktionstechnik. Nur sie fassen die Seiten an. Sie sind Organisationstalente, die alle Inhaltslieferanten koordinieren. Sie kuratieren, redigieren, layouten mit Werkzeugen und Seitenelementen aus dem Typo3-Baukasten. Ihnen gehört die Schluss- und Qualitätskontrolle.

So entlasten sie alle anderen Redaktionsmitglieder, die sich ganz auf den Inhalt konzentrieren. „Es war eine ökonomische Einsicht“, erzählt von Maydell. „Um mit dem System gekonnt umzugehen, muss man einige Stunden investieren. Die Clusterverantwortlichen bleiben in Übung, weil sie für ihre ganze Gruppe die Seitenpflege übernehmen. Es gibt weniger technikaffine Kolleginnen und Kollegen. Wenn die halbjährlich ihre Seite pflegen müssen, ist es jedes Mal Krampf und heilloser Aufwand. Wir haben entschieden: Jeder kann nicht alles wissen und können und muss es auch nicht.“

Wenn seine Clusterchefs selbst steckenbleiben, zählen sie auf von Maydells Soforthilfe. Er sammelt Feedback. Er moderiert Diskussionen über Ideen für den Online-Auftritt. Er liefert Beispiellösungen und Mustervorlagen, die sich leicht kopieren lassen. Er stellt Konsens her über gemeinsame Standards. Er überwacht die verabredete Einheitlichkeit des Seitendesigns. Und er ist der Mittelsmann zur Chefredaktion.

„Zu Anfang war nicht jeder mit dieser Arbeitsteilung glücklich. Jetzt klappt es gut. Berufsbildner haben ja eine sehr pragmatische Kultur“, meint von Maydell.

Seine drei Tipps für Redaktions- und Typo3-Neulinge: „Nicht verzweifeln, einfach mal machen, nicht zu viel fragen.“ Was hat er gegen Fragen? „Nichts, wenn sie produktiv sind. Aber bei jedem Kleinkram zuerst zu fragen, wer dazu alles eine Meinung haben könnte und beteiligt werden müsste, macht das Bildungsportal nicht besser.“

„Nicht härter, sondern schlauer“

Sein Nachname verrät Geschichtskennern deutsch-baltischen Uradel. Am Lehrer von Maydell wirkt eigentlich nichts aristokratisch, außer vielleicht dem edel-auffälligen Brillengestell unter der Halbglatze. Seine Ahnen waren Ritter, Generale, Admirale, Kammerherrn am Hofe. Seine Großeltern und Eltern indes erlebten Vertreibung und Flucht, bevor sie Niedersachsen wurden. „Das hat mich geprägt, glaube ich. Mir ist bewusst, wie gut ich es habe. Daher habe ich eigentlich immer gute Laune.“

1966 geboren in Braunschweig, aufgewachsen in Burgstemmen, studierte er Elektrotechnik und Englisch in Hannover. Als sein Referendariat in Osnabrück endete, brauchte das Land solche Lehrer nicht. Ericsson nahm ihn gerne. Der Mobilfunk-Weltkonzern aus Schweden betreibt seit damals das EuroLab in Aachen. Der Pädagoge wurde „SI“ – Systemintegrator. Er sorgte dafür, dass viele Teilsysteme zusammenpassen. Er entwarf, pflegte und flickte Computernetze.

Bei den ultrapragmatischen Skandinaviern erlebte er Mitte der Neunziger einen Kulturschock. „Flache Hierarchien. Jeder duzte jeden. Die Manager sagten: Probleme sieht man nicht, man löst sie. Arbeitet nicht härter, sondern intelligenter. Das hat man uns eingeimpft.“ Heute impft er andere mit dieser Dosis, auch seine Redaktion.  

1997/98 entstanden neue IT-Berufe. Nun brauchte das Land doch Leute wie ihn. Von Maydell zog es ins Klassenzimmer zurück. Zunächst unterrichtete er an der BBS Burgdorf-Lehrte, dann in Hildesheim. Seine Industriepraxis half ihm stets, den Unterricht berufsnützlich zu erden. „Herr von Maydell, bei Ihnen merkt man, dass Sie mal gearbeitet haben“, das ist so ein Schülersatz, den er grinsend wiedergibt.

„Unsere Zeit ist zu schnell für Alleintänzer“

Sein Schwerpunkt, natürlich: Netzwerke. Und das Netzwerken. Nichts teilt er lieber als Wissen und Kontakte. Seit 12 Jahren kennen Lehrkräfte im ganzen Land ihn als Fachberater, einer von rund 70 RLSB-Experten in der beruflichen Bildung. Er betreibt Moodle-Fortbildungskurse. Er hat an Rahmenrichtlinien mitgewirkt. Er ist Mitautor eines Tabellen- und Formelbuchs für Prüfungen.

Die meisten Begegnungen aber entstanden durch NiBiS und Bildungsportal. Seit zwei Jahrzehnten hat er sich in jede Redaktionstechnik eingefuchst und seinen Eleven beigebracht. „Ich bin der einzige Fachberater, der alle anderen Fachberater persönlich kennt, weil alle bei mir in der Schulung waren.“

Kooperation ist seine Mission. „Unsere Zeit ist zu schnell geworden für Alleintänzer.“ Unermüdlich wirbt er dafür, dass Lehrkräfte untereinander alles teilen, was sie können – angefangen beim Unterrichtsmaterial. Ebenso leidenschaftlich tritt er für „Lernen 2.0“ ein, das Kinder und Jugendliche zu selbstständigen, kooperativen Problemlösern macht.

„Der Lehrer der Zukunft steht nicht dozierend vor der Tafel, er organisiert das Lernen“. Euphorisch verfolgt er, was an Modellschulen passiert, die auf Frontalunterricht, feste Klassenräume und sture Lehr- und Stundenpläne verzichten – und sich klug digitalisieren. Auch hier schaut der frühere Ericsson-Mann gern zu den nordischen Ländern. Aber Urlaub, gibt er zu, macht er lieber auf dem Motorrad unter der Sonne Italiens.

So erreicht man ihn: Telefon 0170 7110171 E-Mail [email protected] Fachberater für berufsbildende Schulen für den Beratungsbereich Informationstechnik, RLSB

Abenteuer auf staubigen Posten: Motorradurlauber von Maydell an Zapfsäulen in Italien