Deutsche Zeilen: Die Sprachpapst-KI für Redaktionen

„Einer muss sich plagen, der Redakteur oder der Leser“, wusste er. Wolf Schneider war der Sprachpapst der Medienwelt. Seine Handbücher „Deutsch für Profis“ und „Deutsch für Kenner“ sind die Redigierbibeln schlechthin. 

Der frühere Stern-Chef und Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule ist seit 2022 tot. Aber sein Sprachsinn lebt als Künstliche Intelligenz weiter. Eine Online-Redigierhilfe rückt schlechtem Deutsch auf den Pelz.

Ein Kollege von der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung hat uns diesen Tipp gegeben. In der gemeinnützigen Webakademie Reporterfabrik ist eine Wolf-Schneider-KI, kurz WSKI, entstanden. Sie basiert auf dem bekannten Sprachmodell ChatGPT (GPT-4).

Der Clou ist das Training der KI nach 50 Schneider-Schreibregeln. Reporterfabrik-Leiter Cordt Schnibben erklärt: „Wir haben die WSKI gefüttert mit Absätzen, in die wir jede Menge Phrasen, Füllwörter, Schachtelsätze, Modewörter, Klischees, Nominalkonstruktionen, Anglizismen, überflüssige Adjektive, Partizipialkonstruktionen gestopft haben.“

Mit Wahlfunktionen lässt sich die KI-Aufgabe gut eingrenzen. Text verbessern? Überschrift finden? Vorspann oder Teaser formulieren? Nach welcher Textgattung: Nachricht, Bericht, Erörterung, Rede, Newsletter, Pressemitteilung? Auf Wunsch begründet die WSKI Satz für Satz, wieso sie was redigiert hat, gibt Denkanstöße für Stil und Klarheit und zeigt bis zu sieben Alternativsätze.

Erstes Urteil nach dem Ausprobieren (gratis nach Anmeldung): Ziemlich gut, nützlich und lehrreich noch dazu. Hier ist die WSKI: https://reporterfabrik.org/wski-editor

Eine Einführung im YouTube-Kanal Erwachsenenbildung.digital: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=bGw8-cqDYCA