Was für ein Tag ist heute? Ist es 3.3., 03.03., 3. März oder 03. März? Montag, der 3. März oder Montag, „den“ 3. März? Die Vielfalt der Möglichkeiten ist verwirrend.

Ein Blick in den Redaktionsleitfaden erhascht unter „Schreibregeln“ den globalen Hinweis, man möge sich beim Texten an DIN 5008 halten, eine Industrienorm für Bürokorrespondenz. Beim Datum erlaubt DIN aber mehrere Varianten.
Mit Staunen stellt man fest, DIN bevorzugt seit 30 Jahren das internationale Format JJJJ-MM-TT. Durchgesetzt hat sich der DIN-Favorit nie. Er ist missverständlich. Man fremdelt damit.
Im Fließtext wäre JJJJ-MM-TT ein nerviger Stopper – und blankes Grauen in einer Überschrift. „Kultusministerin Hamburg eröffnet Schulprojekt am 2025-03-03“ will niemand lesen.
Auf den schweigenden Boykott in deutschen Büros und Redaktionen hat DIN früh zugestanden: Im Inlandsgebrauch sind auch 3. März 2025 und 03.03.2025 normgerecht.
Was sich leichter lesen lässt
Nachrichtenprofis texten keine Bürobriefe, sondern schaffen Lesefluss. In der Publizistik dürfen rein numerische Ziffernparaden nur in Tabellen und Infografiken marschieren, sonst heißt es alphanumerisch: 3. März.
Bei aktuellen Texten werden Wochentag oder Jahr nur genannt, wenn es nötig ist. Wer zur Teilnahme an einer Veranstaltung aufruft, wird den präzisen Wochentag eher anführen als jemand, der über eine Tagung vom Vormonat berichtet. In der Meldung, dass Friedrich Merz bis Ostern eine Koalition bauen will, wäre unnötig zu sagen, dass er Ostern 2025 meint.
Zeiträume „von bis“: Es ist eine Unsitte, „von/vom“ auszuschreiben, aber „bis“ durch einen Strich zu ersetzen. Der Strich stört den Lesefluss. Manchmal aber ist der Platz sehr knapp, etwa in Überschriften. Verzichten Sie dann auf das „vom“ und schreiben Sie: Osterferien 7.–30. April. Dasselbe gilt für Uhrzeiten: Unterricht von 8 bis 12 Uhr oder 8–12 Uhr. Aber nicht: von 8–12 Uhr.
Obacht: Das ist ein Gedankenstrich (–), kein Bindestrich (-). Den Gedankenstrich liefern die Tasten [Alt]+[0150] (Windows) und [Alt]+[Bindestrich] (Apple).
Die Füllnull
In einem Lesetext ist die führende Null ein Ärgernis. Sie hat null Relevanz für den Wert der Zahl, hier also Tag oder Monat. Sie ärgert nur die Leserin, denn sie muss die Null gedanklich wegstreichen, sonst läse sie „Es ist schulfrei am Null Dritten Null Dritten“. Sogar DIN verbietet die führende Null bei der alphanumerischen Schreibweise: 03. März ist ein Normbrecher.
Die führende Null hat eine technisch-klinische Füllfunktion, damit das Elektronengehirn beim Sortieren von Daten keinen Unsinn verzapft. (Mehr dazu im Wikipedia-Artikel „Führende Null und Füllnull“.) Für Menschen ist das Format 03.03. sinnlos und schön auch nicht. Bevor der Computer erfunden wurde, schrieb niemand 03.03. (Außer vielleicht Lehrkräfte, die als Note „03 Punkte“ vergeben, damit aus „voll mangelhaft“ kein „knapp sehr gut“ gefälscht werden kann.)
Es gibt, zugegeben, systembedingt führende und füllende Nullen im BiP, beispielsweise über aktuellen Meldungen. Das System bevorzugt das 8-stellige Format. Grafisch ist gut, dass die kompakte Ziffernfolge Luft lässt im tabellenartigen Nachrichtenkasten. Allerdings häufen sich in den Meldungen die Veranstaltungstipps und daher in den Überschriften die Datumsangaben. Die sind meist im alphanumerischen Stil, was auch sinnvoll ist. Die Formate beißen sich leider.
Immerhin fokussiert das Lese-Auge gewöhnlich auf die Überschrift – die Dachzeile im sanften Grauton wird intuitiv eher als Schmuck wahrgenommen.
Beim Texten sollte man sich die redaktionelle Frage stellen: Ist es wirklich zwingend, dass die Überschrift ein Datum enthält?
500 Jahre alter Kanzleistil: Montag, den

Datum, das heißt auf Latein: gegeben. Als vor 500 Jahren Amtslatein zu Amtsdeutsch wurde, stanzten die fürstlichen Kanzleien neue Sprachschablonen für Urkunden und Dekrete. Davon ist ein Rest übriggeblieben. „Gegeben zu Hannover an der Leine, den 3. Martii anno domini MMXXV“. So salbungsvoll ergeht heute kein Runderlass mehr. Doch eins steht noch oft unter Briefköpfen, nämlich „Hannover, den 3. März“. Parallel fand man Gefallen am Muster „Montag, den 3. März“, vielleicht als Kurzform für „Wir schreiben Montag, den 3. März“.
Als Tribut an Tradition, Büro- und Briefkultur mag die Schriftblume stehen bleiben. Doch in redaktionellen Medien ist das Datums-„den“ ein Fremdkörper. „Montag, 3. März“ genügt.
Elegant umgehen Sie damit die Frage, ob die Apposition „den“ im Dativ oder Akkusativ stehen muss. Also, ob es heißen müsste „Ministerin Hamburg wird am Montag, dem 3. März, die Schule besuchen“ oder „am Montag, den 3. März“. Feste Floskel oder kasustreuer Beisatz? Seit es das WWW gibt, wird darüber in Deutschlands Chatforen gestritten. DIN ist dabei keine große Hilfe. Zwiefach wird der Grammatik-Spaß bei Sätzen wie „Die Ministerin bereist Südniedersachsen von Mittwoch, den 4. September, bis Freitag, den 6. September“.
- Sandra Meinzenbach (2018). „Datumsangaben korrekt schreiben: Checkliste für die wichtigsten Gelegenheiten“. Textskizzen.de
- Tanja Schrader (2024). „Datum mit dem oder den? Es kommt auf den Fall an“. Scribbr.de.
- Simone Alex (2017). „Am Sonntag, dem 13. Mai oder am Sonntag, den 13. Mai? — Wochentage mit Datumsangabe“. Grammis, Grammatisches Informationssystem, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache.
- Julia-Eva Seifert (2019). „Datum nach DIN 5008: So schreiben Sie es normgerecht“. Workingoffice.de
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