NOTIZBLOG
▶ Ideen für seine Zukunft sammelt der DBS in einem Wettbewerb ab 14. April. Der läuft an einem ungewöhnlichen Ort: der globalen Crowdsourcing-Kreativplattform HyveCrowd.
▶ Heute zählt bildungsserver.de 7 Mio. Besuche jährlich. Kernangebot sind Link-Dossiers und der Lehrmaterial-Suchdienst Elixier.Hinzu kommen ein Magazin, ein Podcast und 2 Web-Aktionswochen im Jahr – die nächste zu „Lern(um)welten“ ab 20. April 2026.
▶ 1996 flackerte die erste DBS-Homepage als www.schule.de über die Röhren-Monitore.
▶ Als Meta-Server ergänzte und verband er die Landesbildungsserver wie unseren NiBiS.

Dr. Sigrid Fahrer, Leiterin des Deutschen Bildungsservers, kann sich noch gut an 1996 erinnern. Die Anglistin hatte just ihr Studium begonnen. Pokémons waren der Renner. Die Deutschen gewannen die Fußball-EM und stritten über die Rechtschreibreform, das Klonschaf Dolly und das Ende des Sonntags-Backverbots.
Digital brach eine neue Ära an. Im Kino lief der erste voll computeranimierte Film Toy Story. Am Computer klemmte der erste USB 1.0-Stecker. Wer im Internet surfte, wählte sich übers Telefon-Modem ein, und bekam 1996 zum ersten Mal deutsche Seiten für das führende Link-Verzeichnis Yahoo zu sehen. „Wir googelten nicht, sondern wir blätterten uns langsam durch Webkataloge“, erzählte Fahrer bei der Kölner Didacta dem schmunzelnden Publikum.
Wer surfte, brauchte Wegweiser. Das galt auch für Schulen, wo sich Computer-AGs langsam ans Internet herantasteten. 1996 wurden die Bundesrepublik in Bonn regiert. Mit Rheinwasser getauft, fand der Verein „Schulen ans Netz“ seine Paten in Deutscher Telekom (sie ging 1996 mit der „T-Aktie“ an die Börse) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Zukunftsminister“ Jürgen Rüttgers öffnete die Bundeskasse. Sein Geld floss auch in ein Projekt der Humboldt-Universität Berlin, getragen vom Deutschen Forschungsnetz (DFN). Aus diesem entstand der Deutsche Bildungsserver.
Ein tragfähiges Konzept entstand 1998/99 in Zusammenarbeit des Münchner Medieninstituts FWU und des Frankfurter DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation mit KMK und Bundesbildungsministerium. Seit 1999 liegt die Geschäftsstelle beim DIPF in Frankfurt (welches 2026 selbst seinen 75. Geburtstag feiert). Sigrid Fahrer hat heute eine 23-köpfige Redaktion unter sich, dazu 7 Technik- und Bürokräfte.
„Alle Professionen der Bildung“ waren und sind die Zielgruppe, so Fahrer. Heute sorgen sie für 7 Mio. Besuche jährlich. Mit dabei sind beim DBS – anders als beim Bildungsportal Niedersachsen– auch Erwachsenen- und Hochschulbildung. Außerdem sehr stark die Wissenschaft rund um Pädagogik und Andragogik – also die Bildungsforschung.
Erste Homepages unter schule.de

Seine erste Homepage flackerte im April 1996 über die Röhren-Monitore. Im Herbst durfte ihn die ganze Öffentlichkeit bewundern, diesen „zentralen Wegweiser im deutschen Bildungsnetz“.
Das war nämlich schon recht voll und unübersichtlich. Landesbildungsserver entstanden fast überall, in Niedersachsen 1995 der NiBiS. Im November 1996 trafen sich alle diese Onliner zum ersten Mal. Deren Jahrestreffen („Bonsai“) gibt es immer noch. 2003 kamen erstmals nur die Redaktionen aus Bund und Ländern zusammen.
Mit den Landesbildungsservern bildete der DBS einen bundesweiten Content Pool für Lehrmaterial und bildungspolitische Dokumente. „Der DBS wurde als Meta-Server eingerichtet, nicht als Volltext-Server“, so Fahrer. Kuratieren und Dokumentieren in Link-Verzeichnissen war die Aufgabe – nebst Qualitätsprüfung der verlinkten Quellen.
Von der Suchhilfe bis zur Aktionswoche

Wenn sich der DBS früher etwa auf der Didacta zeigte, hatte das Team Pionierarbeit zu leisten. „Am Anfang haben die Leute Schlange gestanden, damit sie mit uns eine einfache Netz-Recherche machen konnten. Damals war bei Lehrkräften wenig Netz-Informationskompetenz vorhanden. Das hat sich sehr geändert. Danach fragt kaum einer. Inzwischen weiß jeder, wie man recherchiert.“
Über dies und mehr informieren die Frankfurter auf ihren Seiten zur DBS-Historie. Im DBS-Archiv finden sich frühe Konzepte und Startseiten-Bilder der ersten Jahre.
Wie der DBS genutzt wird, hat sich stark verändert. Die thematischen „Dossiers“ sind noch der Kern, ergänzt um Spezial-Datenbanken zu Innovations-Projekten, zu Veranstaltungen und zu Wettbewerben sowie eine Jobbörse. Die Einträge dort kommen meist von außen – „Jeder kann mitmachen und Links vorschlagen“, so Fahrer.
Darum gibt es auch einen prominenten „Link vorschlagen“-Störer auf jeder Seite, der zu einer speziellen Vorschlagseite führt. Zu jeder Rubrik informiert die Redaktion über das Sammelprofil und die Datenpflege. Üppige FAQ finden sich ebenso.
Der Suchdienst Elixier, 2006 gestartet, trägt seit 2025 ein neuen Design. Der Kontext änderte sich ab 2020, als das FWU die offene Bildungsmediathek der Länder Mundo eröffnete. Beide arbeiten in der ländergemeinsamen Bildungsmedieninfrastruktur zusammen.

Journalistisches gibt es im Online-Magazin Bildung + Innovation (früher:BildungPlus und bildungsserverBlog) aktuelle Gespräche im Podcast Bildung auf die Ohren (seit 2019).
Für den Vertrieb sorgen der 14-tägliche Newsletter (5400 Abonnenten) und soziale Kanäle wie Mastodon, BlueSky und LinkedIn. Von Facebook und WhatsApp hat sich das Team freilich verabschiedet – die die Arbeit mit Social-Kanälen ist schwierig (dazu: „Social Media: Chance und Kummer deutscher Bildungsserver“, Notizblog 1.6.2025)
Im Frühjahr und Herbst organisiert Fahrers Team Online-Aktionswochen mit einem Fachtag am DIPF. Vom 20. bis 30. April 2026 dreht sich die Veranstaltungsserie um „Lern(um)welten“ . „Klimabildung“ ist das Stichwort für die Aktionswoche 23. November bis 4. Dezember 2026. Ein neuer Seitenbereich „klima2know“ ist bereits in den Startlöchern.
Ideen für den „nächsten“ Bildungsserver
Die Herausforderungen, vor denen alle Bildungsportale in Bund und Ländern stehen, sind Fahrers Team klar:
- KI-Antwortmaschinen verändert das Informationsverhalten ihrer Zielgruppen rasant.
- Audiovisuelle Inhalte verdrängen den Text-Konsum.
- Immer knapper wird die verfügbare Zeit, die alle Bildungs-Professionen für fachliche Recherchen einsetzen können.
- Immer größer und diverser wird die Zahl der genutzten Informationskanäle.
Das vierte Jahrzehnt beginnt, und es ist Zeit für Innovationen. Laut Fahrer denkt das DBS-Team über einen Chatbot nach und andere Zusatzangebote nach. Eine Usability-Studie wurde ebenso in Auftrag gegeben wie eine Machbarkeitsstudie für ein besseres Redaktionsmanagementsystem.
Im April startet Fahrer außerdem ein öffentliches Preisausschreiben. Sie sucht bei HyveCrowd Ideen im Innovationswettbewerb „Bildungsserver:NEXT“. Sie erhofft sich strategische Impulse für Design, Navigation, die Präsentation, die Suche, Art und Umfang der Inhalte.
Der Ort des Wettbewerbs ist ein besonders kreativer. HyveCrowd ist eine spezielle Crowdsourcing-Plattform. Typischerweise platzieren hier Unternehmen eine „Challenge“ und hoffen auf die Antwort einer internationalen Community Tausender Tüftler. Es sind sowohl erfahrene Profis wie auch Start-Up-Firmen, Hobby-Experten oder Studierende, die sich beteiligen. Auf deren Kreativität hofft auch der DBS – in Deutsch und Englisch.
Der Wettbewerb beginnt am 14. April und läuft bis 9. Juni 2026. Gefragt sind kreative Ideen in Form von Konzeptskizzen, Mockups oder Grafiken in drei Kategorien “Content”, “Usability” und “Communication”. Eine 7-köpfige Jury bewertet die Beiträge. Es gibt edle Kopfhörer, Bahn- und Event-Gutscheine zu gewinnn. Die Preise werden bei der DBS-Jubiläumsfeier am 15. September verliehen.
Die redaktionellen Aufgaben, die am Anfang standen, bleiben Fahrer zufolge auch im vierten Jahrzehnt wichtig. „Gerade weil werbefinanzierte Zusammenfassungen wie bei Google und halluzinierende KI-Agenten nicht vertrauenswürdig sind, besteht ein Bedarf an fachlich kuratierten Informationen.“
Fotos: Marco Althaus
- Social Media: Chance und Kummer deutscher Bildungsserver | Notizblog 1.6.2025