Christliche Religion: Die neue Digital-Ökumene

Ein halbes Jahrtausend nach der nordwestdeutschen Reformation vereinen sich ab August 2026 die Schulfächer Evangelische Religion und Katholische Religion. Eine historische Zäsur – von beiden Kirchen getragen, aber auch umstritten. Dem Bildungsportal kommt eine Schlüsselrolle in der Öffentlichkeitsarbeit und Information der Lehrkräfte zu.

Vorerst stehen Christliche, Evangelische und Katholische Religion als drei Schulfächer parallel im Bildungsportal. Ab August wird es auf dieser Übersichtsseite „Religions- und Ethikfächer“ wieder leerer.

Neu auf Niedersachsens Stundenplänen steht ab August Christliche Religion – kurz „CR“. Im Bildungsportal hat sich das schon jetzt vollzogen: Das vor einigen Monaten gebildete Redaktionsteam bespielt die neuen Seiten bereits mit Informationen zum geplanten Kerncurriculum und Fortbildungsangeboten sowie erstem Unterrichtsmaterial für das neuartige Fach.

Es heißt in Langform „Christliche Religion nach evangelischen und katholischen Grundsätzen”.

Die Redaktion hat mit hohem Tempo Informationen umgelagert, um dem steigenden Informationsbedürfnis von Lehrkräften und Öffentlichkeit genüge zu tun.

Die alten Fächerseiten Evangelische Religion und Katholische Religion gibt es noch. Aber sie werden zum August 2026 abgeschaltet, damit keine Verwirrung entsteht. Sowohl die alten wie die neuen Seiten weisen auf den Wechsel hin.

Noch ist inhaltlich nicht alles in trockenen Tüchern. Die Anhörung zum Kerncurriculum für die Primar- und die Sekundarstufen im Herbst 2025 wurde mit neuen Textfassungen im Februar 2026, die im BiP zugänglich sind, um eine neue Runde bis Ende März ergänzt. Entsprechend ist auch auf den BiP-Seiten noch nicht alles fertig, manches improvisiert und manches doppelt.

Wirbel im März

Die neugebildete Redaktion betritt Neuland – und durchaus noch dünnes Eis. Das zeigte sich Anfang März am Wirbel um Berichte in Neuer Osnabrücker Zeitung und Bild über die Anhörungsfassungen des CR-Kerncurriculums. Beide Blätter entschieden sich für knallige Überschriften:

Die Redaktionen spitzten in Teasern und Zusammenfassungen ebenfalls beherzt zu.

  • Der NOZ-Vorspann: „In den Lehrplan-Entwürfen kommt Jesus nur noch in fünf der rund 130 Themen vor. Dafür ist unter anderem die Rede von der Scharia und den UN-Klimazielen.“ Autor Lucas Wiegelmann zählte nicht nur KC-Themenvorschläge ohne Gewichtung durch, sondern suggerierte Gleichwertigkeit christlicher Glaubensinhalte mit anderen religiösen oder politischen Themen.
  • Bild griff den NOZ-Artikel auf und würzte nach. Autor Jan Schumann kitzelte die Empörung so: „Unterrichts-Revolution in Niedersachsen! Im neuen Schulfach „Christliche Religion“ ist für Jesus Christus nur noch eine Nebenrolle vorgesehen.“
Das MK reagierte auf die harsche Verbände- und Pressekritik am 7. März 2026 bei Instagram und in einer Pressemitteilung

Ministerin Julia Willie Hamburg reagierte amtlich mit der scharf formulierten „Klarstellung“, selbstverständlich stünden christliche Inhalte im Fokus, und der Unterricht sei bekenntnisgebunden. „Die aktuellen Schlagzeilen zum geplanten neuen Religionsunterricht in Niedersachsen verzerren die Tatsachen“, sagte Hamburg.

Genauso sagten es laut und deutlich die Landeskirchen, Bistümer und Erzbistümer. Schließlich hatten ihre Fachleute das Fach „CR“ 2021 selbst vorgeschlagen und gemeinsam mit dem Land in jahrelanger Kommissionsarbeit entwickelt. Gemeinsam wollen sie künftig den Unterricht tragen. Treibender Motor hinter dem Schulfachmodell sind die christlichen Kirchen, keine Häretiker.

Es ist ein Vorhaben, das nicht nur quer durch den Landtag Unterstützung fand, sondern auch durch Verträge zwischen Staat und Kirchen geregelt wird. Nur so ist das Schulfach „CR“ nämlich überhaupt verfassungsgemäß.

Schlüsselrolle für das Bildungsportal

Der Wirbel legte jedenfalls offen, wie viel Kommunikationsarbeit noch zu leisten ist für diese tatsächlich historische Zäsur. Eine grundlegende Neuerung in Religionsunterricht und Religionsdidaktik, die kein Vorbild hat und über Jahre hinaus Akzeptanz gewinnen und erstreiten muss.

Den Informationen im Bildungsportal wird daher eine Schlüsselrolle zukommen – und zwar sowohl bei breiter Öffentlichkeitsarbeit als auch bei der fachlichen und organisatorischen Ausgestaltung für die Schulpraxis. Die BiP-Seiten unterstützen die RLSB-Fachberatungen und sollen auch für Fortbildungen werben, die Lehrkräfte auf NLC.info buchen können.

Zum Redaktionsteam gehören aus MK-Referat 32 Fabian Labahn, Rebekka Amthos und Kerstin Mau, zeitweise verstärkt durch Jens Aden, der die laufenden Anhörungen begleitet, sowie Fachberaterin Katrin Busch (RLSB) und Fachredakteur Andreas Höfel (NLQ).