NOTIZBLOG
Endlich hat die Kultusministerkonferenz ihren 10 Jahre alten Internetauftritt in Rente geschickt. Seit 24. Februar ist die neue Site kmk.org im Netz. Fürs Auge aufgefrischt, inhaltlich neu sortiert und mit besserer Nutzerführung. Ein erster Check.

Visuell verschlafen, entsprach die Architektur aus dem Jahr 2015 auch bei Barrierefreiheit und Sicherheit nicht mehr den Standards von heute.
Das an den Berliner Kultus angedockte KMK-Sekretariat budgetierte für den Relaunch 276.000 Euro (Berlin HHP, EP 09, Kap. 0991, Titel 81289 2024/25 S. 233 und 2025/26 S. 274).
Zwei Jahre lang ließ es zwei Agenturen werkeln, ganz alte Bekannte: die Internet-Spezialisten von Faktor E, Bonn, die schon den alten Webauftritt produziert hatten, und aus Köln DITHO Design, die der KMK einst schon das Logo mit den gefalteten Lettern und das grüne Corporate Design geschenkt hatte.
Die 7 wichtigsten Verbesserungen im Überblick
Hinter dem neuen Auftritt steckt das Redaktionsmanagementsystem Typo3 in Version 13 – zu der jetzt auch das Bildungsportal wechseln wird.
1. Teaser-Trio
Die KMK ist nicht nur eine Konferenz, sondern drei. Die KMK hat sich nämlich seit Januar 2025 in spezialisierte Konferenzen der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturminister aufgespalten: eine KMK-BMK, eine BMK-WMK und eine KMK-KulturMK. Jeweils mit eigenem Präsidenten.
Doch dass es drei getrennte Organisationen sind, ließ sich in der Internetpräsenz kaum erkennen – schon gar nicht auf den ersten Blick. Gut möglich, dass der Trennungsbeschluss vom Juni 2024 die Entscheidung für den Relaunch befeuerte.
Mit dieser Wir-sind-drei-Botschaft fällt kmk.org nun direkt ins Haus. Dazu dienen simple Grafiken, die sich von der Foto-Optik anderer Teaser und Illustrationen abheben.
Das Teaser-Trio ist nun quasi die Hauptnavigation und der wichtigste Besucherverteiler – offenbar in der Hoffnung, dass dies auch den Zielgruppen-Interessen entspricht.
2. Der Hauptmenü-Balken am Kopf ist weg
Der klobige grüne Balken am Seitenkopf ist verschwunden. Der erste Eindruck ist nun strahlendes Weiß mit ein paar Grüntupfern. Die Hauptnavigation ist in den drei schlanken Strichen des Hamburger-Menüs versteckt. Damit liegt die KMK im Trend: alles ist leichter, heller, schlanker, und die Desktop-Ansicht nähert sich der Mobil-Version an.
Erhöht der fehlende Menübalken nicht die Klickhürde? Nein, stattdessen wird der Besucherstrom in das genannte Teaser-Trio gelenkt.
3. Themen-Slider auf Startseiten
Sowohl auf der Startseite als auch auf den drei Hauptseiten wechselt man per Wisch oder Pfeil-Klick durch vertikale Foto-Teaser „Unsere Themen“. Auf der Startseite kmk.org sind dies 40 Stück!
Sie werden gespeist aus den visuell identisch gestalteten Angeboten der drei Unter-Startseiten Bildung (15), Wissenschaft (8), Kultur (10), dazu übergreifende Themen (7). Die Themenseiten selbst bieten Beschlüsse, Hintergründe, Dokumente, Statistiken und Links.
4. Suchfunktion mit Elasticsearch
Die leistungsstarke Volltextsuche ist komfortabler als bisher. Ob einzelne Schlagworte, Begriffskombinationen oder ganze Phrasen – die Suchmaschine kommt damit klar.
Dokumente und Beschlüsse lassen sich gezielt nach Themen oder Zeiträumen filtern. Das erspart langes Suchen in Ergebnislisten.
Die Suchmaschine ist Elasticsearch (aus Basis Apache Lucene) – auch das Bildungsportal wird diese Technik in Kürze anstelle der bisherigen Suchmaschine SOLR einbauen.
5. Mehr Schaubilder, weniger Tabellen
Statt Statistik-Tabellen gibt es nun vermehrt interaktive Schaubilder. So werden Zahlen und Daten auf einen Blick verständlich – jedenfalls für die stark nachgefragten und für die KMK wichtigen Inhalte.
6. Barrierefreiheit im Fokus
Die bessere Navigation als solche senkt schon Barrieren – denn je weniger kompliziert die Menüs sind, desto besser. Die Seite achtet zudem stärker auf gute Kontraste und lesbare Typografie, einfache Bedienung über die Tastatur und Texte, die auch für Vorleseprogramme (Screenreader) gut lesbar sind. Damit werden aktuelle gesetzliche Anforderungen und Erwartungen gut erfüllt.
7. Bald wird gebloggt
Das soll noch nicht alles gewesen sein. Bekanntlich ist die Konferenz ein zähes Gremium, in dem die 16 Länder um jeden Halbsatz in ihren Erklärungen verhandeln. Das macht die amtlichen Verlautbarungen etwas spröde.
Nun haben die KMK-Kommunikationsleute sich etwas mehr Freiheit erkämpft: Sie dürfen demnächst bloggen.
„Mit dem Relaunch ist die digitale Weiterentwicklung nicht abgeschlossen. Ein KMK-Web-Blog ist bereits angelegt und wird in einem nächsten Schritt freigeschaltet“, verrät die Pressemitteilung. „Er soll künftig Raum für vertiefende Einordnungen, Hintergründe und fachliche Beiträge aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur bieten.“


Ein Web-Umbau als Spiegel politischer Architektur
Jenseits von Design, Technik und Nutzerkomfort lässt sich der Relaunch politisch deuten.

„Es wirkt ein wenig wie der Umbau eines Einfamilienhauses in drei Eigentumswohnungen: gleiche Adresse, separate Klingelschilder, und die Hausordnung wird weiterhin gemeinschaftlich beschlossen“, kommentiert etwa der Wissenschaftsjournalist Tim Gabel vom Berliner Entscheider-Fachdienst Table.Media mit feiner Ironie. Er deutet an, dass die drei Ko-Bewohner unter dem gemeinsamen Dach nach all den Jahren einander etwas fremd geworden sind.
Die drei Teile der KMK „begegnen sich einander nicht mehr als versteckte Unterpunkte, die sich gegenseitig Aufmerksamkeit stehlen, sondern als eigenständige Sphären – fast wie Planeten mit gemeinsamer Umlaufbahn“.
Gut beobachtet, auch wenn Gabel die Metaphern verrutschen: drei Wohnungen in einem Haus oder ko-orbital konfigurierte Himmelskörper? Und was wäre bitte das Zentralgestirn, das die drei KMK-Planeten umkreisen? Doch belegen die schiefen Bilder genau auch das Problem, das Gabel bei den drei Ministerklubs wahrnimmt.
Die neue Webstruktur übersetze die auseinanderstrebende KMK-Struktur in Benutzerführung, so Gabel. „Wer etwas sucht, muss sich zuerst entscheiden, in welchem Politikuniversum er oder sie sich bewegt. Föderalismus und Zuständigkeitsgerangel als Navigationsübung. Bleibt die Frage, was der Relaunch symbolisiert: Eine Entflechtung? Eine Professionalisierung? Das Möglichmachen schneller Entscheidungen?“
Gabels Fazit: „Wer wissen will, wie der deutsche Kultus-Föderalismus funktioniert, muss nicht länger Reformpapiere lesen. Ein Blick auf die neue KMK-Startseite genügt.“