Vom Staunen zum Handeln: Markus Iske über den neuen KI-Kompass für Lehrkräfte

⯈ Die KI-Epoche hat die Lehrkräfte und Schulleitungen überrumpelt. Was eben noch Science Fiction war, ist schon Schulalltag. Wie soll man mit Antwort-Automaten, Schreibassistenten und KI-Agenten umgehen? Mit welchen Werkzeugen zu welchem Zweck? Was ist erlaubt, was nicht?
⯈ Darauf hat unser Portal Bildung in der digitalen Welt jetzt viel bessere Antworten: Das Seitenpaket „Künstliche Intelligenz“ erschien Mitte Februar – pünktlich zur Einführung des Chatbots „telli“ in Niedersachsen.
⯈ Ein Blick in die Seiten-Werkstatt mit Markus Iske vom Kultusministerium.

Markus Iske (MK, Referat 54)

Die alte Seite ist damals sehr schnell hochgezogen worden, um auf die Verbreitung von ChatGPT zu reagieren. Diese Inhalte waren inzwischen längst nicht mehr aktuell. Auch steht ChatGPT nicht mehr so im Fokus. Es ist für die Schulen überhaupt nicht zu empfehlen, zweitens hat es die Alleinstellung verloren. Der Kontext hat sich stark geändert. Datensouveränität spielt eine zunehmend große Rolle.

Lehrkräfte brauchen spezifische Informationen zum Umgang mit KI in der schulischen Praxis, die ihnen Handlungssicherheit geben.

Unser Auftrag wurde aus einem KMK-Papier vom Herbst 2024 entwickelt, den „Empfehlungen für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen“. Die Länder sollten den Schulen Hinweise zur rechtskonformen Nutzung geben. Sie sollten im Sinne der digitalen Teilhabe allen Schulen kostenfreie und sichere Lösungen wie den Chatbot „telli“ anbieten. Und sie sollten den KI-Kompetenzerwerb im Rahmen der Lehrkräfte-Professionalisierung sicherstellen.

Ja, richtig. Unmittelbar nach der Pilotphase und Evaluation war die landesweite Einführung geplant. Am 13. Februar wurden die Schulen über den Newsletter Lehrerzimmer-online informiert, und unsere Seiten wurden freigeschaltet. Zugleich erfolgte eine Presseinformation. Ein Artikel im Schulverwaltungsblatt ist geplant . Viele weitere Informationen werden folgen.

Neue Einstiegsseite zu KI im Portal „Digitale Welt“

Den KMK-Empfehlungen folgend. bieten wir Lehrkräften und Schulleitungen mit „telli“ eine Lösung an, die verantwortungsvoll, datenschutzkonform, kostenfrei und leistungsstark ist.

Über unsere Unterstützungsangebote und das Beratungssystem können wir die Nutzung von „telli“ medienpädagogisch und fachbezogen begleiten. Zu erreichen ist „telli“ über das Medienregal der Niedersächsischen Bildungscloud (NBC). Beim Zugang unterstützt bei Bedarf das Support-Team des NLQ.

Ein guter Punkt. Für die weiteren Beteiligten werden zielgruppenspezifische Informationen entwickelt.

Gut 10 Kolleginnen und Kollegen waren am Entstehen der Seiten beteiligt.

Das reicht von Kollegen wie Mike Grauer von der NLQ-Servicestelle E-Learning, der die frühere KI-Seite gefüllt und zum Beispiel Video-Selbstlernbausteine im OpenElec-Moodle-Kurs „LernenMitKI“ entwickelt hat, oder Christian Haake und Jörg Steinemann, die die KI-Fortbildung im NLC systematisiert sowie den Selbstkurs zum KI-Kompetenzerwerb entwickelt haben, bis hin zu den Kollegen, die schon im Herbst KI-Seiten für die Berufliche Bildung ins BiP gebracht haben. Wir haben uns die genau angesehen, was wir übernehmen oder welche Rückbezüge wir herstellen können.

Die MK-Referate 32 und 33 waren bei der Ausarbeitung der Hinweise für die allgemeinbildenden Schulen beteiligt, die Referate 15 und 16 beiden Fragen zur Regulierung. Natascha Riedl und Christian Schlöndorf vom NLQ und Sabine Radtke (Referat 54) sind das Redaktionsteam des Portals Bildung in der Digitalen Welt, in dem die neuen Seiten stehen. Die Endproduktion und Freischaltung hatte Natascha Riedl in der Hand.

Ja, glücklicherweise. Das FWU selbst hat für sein Produkt erst nach und nach Erklärfilme und Zusatzmaterial bereitgestellt. Die ersten Länder, die wie Bremen und Brandenburg Pioniere waren, mussten noch viel selber basteln. Wir sind das neunte Bundesland, das „telli“ einführt, können also auch auf Erfahrungen und Materialien aufbauen.

Ja, das ist so. Allerdings hat sich „telli“ in kurzer Zeit weiterentwickelt. Zum Beispiel ist nun auch Bildgenerierung möglich. Das macht den Chatbot viel attraktiver. Wir müssen ständig am Ball bleiben. Es gibt immer Neuigkeiten. Die Technik ist dynamisch, die Regularien auch.

Wir haben noch einiges in der Pipeline an Unterstützungsangeboten, Kursen und Fortbildungen. Inhalte zum Thema „Veränderung der Prüfungskultur durch KI“ stehen noch aus.

Ein Auftritt zum Ausstattungsprogramm mit digitalen Endgeräten ist in Vorbereitung. Hier werden wir viele Materialien, Handreichungen, Formulare, Musterleihverträge und Checklisten für Schulen zur Verfügung stellen. Ich bin sicher, sehr viele Schulen werden zeitgleich darauf zurückgreifen.

Gerade bei einem ganz neuen Thema ist es wertvoll, wenn die Informationen übersichtlich sind. Also wenn man sie als geordnete Häppchen serviert. Dafür ist eine listenmäßige Darstellung und ein Layout mit Akkordeon gut geeignet. So werden die User nicht von Textmengen erschlagen, sondern können Details aufklappen, wenn sie sie haben wollen.

Wir bieten viele Links. Leider gehen die optisch schnell unter. Sie sind kein Blickfang. Darum arbeiten wir gerne mit verlinkten Bildern. Mit Screenshots erhält man mehr Aufmerksamkeit.

Wir haben überlegt, ob wir Anleitungen als PDF zum Herunterladen anbieten. Das haben wir verworfen. Wir glauben, die jetzige Lösung ist besser, wenn man alles direkt im BiP lesen kann.

Bei den Fortbildungen setzen wir auf die Verlinkung zum NLC. Die Herausforderung ist, dass das Angebot an Fortbildungen zum Thema KI sehr groß ist. Aber hier hilft das Kompetenzraster KI des NLQ ganz erheblich.

Markus Iske hat ein Auge und Faible für Kommunikationsdesign, schließlich ist er von Haus aus Kunst- und Filmpädagoge. Bevor er ins NLQ kam, war er Lehrer und Didaktischer Leiter in Fredenbeck (bei Stade) an der Geestlandschule, wo man sich noch an die Musikvideos seiner Film-AG erinnert. Nicht überraschend, dass er sich für den Niedersächsischen Filmkanon engagierte. Sein Gestaltungstalent ging auch nicht verschütt, als Iske in die NLQ-Abteilung 2 als Fokusevaluator eintrat und später als Fachbereichsleiter das Systemmonitoring betreute. Für die Vergleichsarbeiten-Studie VERA-3 und VERA-8 kreierte er das Logo und gestaltete den Zeichentrick-Erklärfilm „VERA-3 – Alles klar?“ und „VERA-8, alles klar?“. Er entwarf den Blog-Newsletter Bildungsmonitoring News und gab ihm die markanten Zeitstrahl-Grafiken. Seit 2025 gehört er zum MK-Referat 54 (Bildung in der digitalen Welt).

Bildnachweis Porträt Iske: privat