Ihre Übersichtsseite: Schleuse, Showroom oder Klassenzimmer?

Jedes Redaktionsteam pflegt mindestens eine Übersichtsseite nach den Regeln von Redaktionsleitfaden-Kapitel 2.3. Bevor sich Ihr Team in Gestaltungsdetails verliert, entscheiden Sie über den Zweck: Was tut diese Seite für Ihr Publikum? Was tun User auf der Seite?

Die Form folgt der Funktion. Als kleine Entscheidungshilfe beschreiben wir Ihnen drei Seitentypen: die Schleuse, der Showroom und das Klassenzimmer.

Kernidee von Übersichtsseiten ist es, eine Übersicht über thematisch passende Unterseiten und weitere Seiten zusammenzustellen. Sie zeigen eine Vorschau der dort verfügbaren Inhalte an. Diese Vorschau wird meist aus den Unterseiten dynamisch generiert und nicht komplett händisch erstellt. Aber es gibt viele Optionen für Seitenauswahl und Darstellung.

Schnell rein und raus: die Schleuse

Die Schleuse ist ein effizienter Durchgangsraum.

Die Sorte Übersichtsseite ist dazu da, Ihre User schnurstracks zum Ausgang zu schubsen. Sie ist nackte Navigation. Eine Verteilerebene, ein Drehkreuz, ein Durchgang, eine Schleuse. Niemand soll sich hier lange aufhalten; höchstens Sekunden, nicht Minuten. Eine lange Verweildauer wäre nur ein Warnsignal, dass Ihre Nutzer nicht schnell genug die passenden Unterseiten finden.

  • Ihre Seite ist für Leute, die genau wissen, was und wohin sie wollen. Das sind entweder kundige, routinierte Fachleute oder Laien mit klarem Ziel.
  • Ihre Seite ist schlank im Layout, nüchtern in der Grafik, extrem sparsam beim Text und mager bei Zusatzangeboten in der Seitenspalte und am Seitenfuß.
  • Sie gibt präzise Ziele und Richtungen an. Sie hat sonst keine eigenen Inhalte.
  • Die Seite wird auf Tempo getrimmt. Entfernen Sie alles, was das Durchqueren verlangsamt. Hier wird nicht gelesen, nur überflogen. Sie enthält Stichworte und Überschriften, keine langen Sätze und auch keine umfangreichen Menüs. Wie ein Autobahn-Wegweiser zeigt die Seite nie mehr als 4 Ziele pro Fahrtrichtung. Ihr Leitgedanke lautet: ein Blick, ein Klick – und weg. Effizienz ist alles.

Beispiele sind die Übersichtsseiten Abschlussprüfungen Sek I und Zentralabitur. Diese Seiten werden stark von Schülerinnen und Schülern besucht. Übersichten zu allgemeinbildenden Unterrichtsfächern und berufsbezogenen Lernbereiche machen ebenfalls nicht viele Worte. Ein Beispiel unter vielen ist der BB-Bereich Digitalität. Viele Übersichtsseiten im Menübereich Schulorganisation und speziell im Fachportal Schulverwaltung richten sich an Fachleute mit Routinesuchen.

Für Entdecker: der Showroom

Der Showroom stellt die Unterseiten wie eine Galerie attraktiv aus.

Diese Seite ist ein Bedarfswecker. Die Leute sollen stöbern und entdecken. Die Seite lockt und lenkt Interessierte auch auf das, was sie nicht gesucht haben… wie eine Galerie mit virtueller Tour durch die Kollektion – wie ein Showroom, der einen Vorgeschmack gibt und wie ein bunter Warenkatalog verspricht: Es gibt sie noch, die guten Dinge.

Stöbern heißt, das Ungefähre zu erkunden. Manche stöbern aus Lust an Ideen und Neugier. Andere würden gern genau und effizient suchen, aber sie wissen nicht genau, was sie nicht wissen. Sie kennen keine präzisen Suchbegriffe. Also schauen sie sich mal um. Sie verbringen mehr Zeit hier als in der Schleuse.

Wo der erste Seitentyp funktioniert wie eine Passierstelle oder Pförtnerei, wo knapp Auskunft erteilt wird, ähnelt dieser Seitentyp eher einem Besucherzentrum mit Lobby/Lounge und Ausstellungsfläche. Die Seite ist Anlauf- und Ausgangspunkt, aber auch selbst Attraktion und Aufenthaltsraum.

  • Ihre Seite ist für Leute, die nur vage wissen, was und wohin sie wollen. Entweder das Publikum ist eine relativ breite Öffentlichkeit. Oder das Thema ist neu oder randständig.
  • Ihre Seite ermöglicht entdeckendes Suchen. Halten Sie das Angebot auf Ihrem Themenregal also nicht zu klein und knapp, sonst gibt es nichts zu stöbern.
  • Die Seite ist mehr als eine Navigationshilfe. Sie bietet selbst erste Inhalte.
  • Extras an Seite und Fuß reichern den Inhalt an: etwa eine Box für aktuelle Meldungen, auffällige Verweise zu Beratung, Service, Ansprechpartnern, Begleitmedien wie Newsletter oder Podcast, eine üppige Auswahl Links zu internen und externen Seiten und Dateien.
  • Sie will dazu motivieren, sich mit den Themen zu beschäftigen. Der Aufwand für Text, Grafik und Layout ist relativ groß. Jedes Bild ist ein Blickfang. Für die Unterseiten gibt es Teaser in Form großer Karten (Kacheln).

Eine solche Seite will nicht nur Verteiler und Wegweiser sein, sondern kontextreich orientieren, munter anregen und für Ideen werben. Die guten Dinge werden aber nicht im Detail gezeigt, das erledigen Unterseiten. Diese Übersichtsseite ist der Werbeprospekt.

Beispiele sind die Menübereiche Frühkindliche Bildung oder Fort- & Weiterbildung. Auch die „Themenportale“ BNE, Digitale Welt und Demokratiebildung arbeiten nah an der Leitidee.

Lektion um Lektion: das Klassenzimmer

Diese Seite ist der Erklärbär unter den Übersichtsseiten. Ein didaktischer Anspruch schimmert durch. Die Seite wirkt wie das Startmodul eines Online-Selbstlernkurses – auch ganz praktisch als Ratgeber, Programm-Guide oder Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Das Klassenzimmer bietet einen Kursus durch die Inhalte der Unterseiten.

Für Seitenbesucher wird das erkennbar durch Lektionen-artige Gliederung der Unterseiten oder auffällige Verweise auf Einführungs- und Erklär-Artikel oder Glossare. Bisweilen geht der Text auf dieser Seite deutlich über die im Redaktionsleitfaden empfohlenen 150–200 Zeichen (Richtwert) hinaus.

  • Diese Seite ist für Leute, die sich besonders systematisch informieren und lernen wollen. Dieses Publikum ist bereit, überdurchschnittlich viel Zeit zu investieren. Das setzt nicht unbedingt Vorkenntnisse voraus, aber großes konkretes Interesse. Etwa, weil man einen Fördertopf anzapfen, eine Kita gründen oder sich für etwas bewerben will.
  • Sie ist wirklich eine Themeneinstiegsseite, die den Einstieg ins Thema straff organisiert und die Auswahl der Unterseiten durch Platzierung und Benennung vorstrukturiert. So finden User eine erkennbare Systematik vor, um Unterseiten „abarbeiten“ können.
  • Ihr Angebot ist nicht nur thematisch aufgefächert, sondern berücksichtigt unterschiedliche Informations-Niveaus und Zielgruppen. Sie hat etwas für unbeleckte Laien, mittelgut informierte Fortgeschrittene und echte Kenner.
  • Sie will dazu motivieren, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Der Aufwand für Text, Grafik und Layout ist relativ große. Jedes Bild ist ein Blickfang. Für die Unterseiten gibt es Teaser in Form großer Karten (Kacheln).

Die Aufgabe heißt Kuratieren, neudeutsch „Content Curation“: Sammeln, recherchieren, organisieren, auswählen, ordnen, verdichten, präsentieren, empfehlen.

Beispiele: Im Themenportal Ganztagsschule gibt es Kacheln für „Grundlagen“, „Bausteine“ und „Glossar Ganztag“ und spricht einzelne Zielgruppen konkret an. Der Charakter als Anleitung durch Förderprogramme wird bei Freiräume oder Startchancen sehr deutlich.

Die Nebentür als Haupteingang

Übersichtsseiten werden „auch Themeneinstiegsseiten genannt“, sagt der Redaktionsleitfaden in Kapitel 2.3. Diese Seiten sind zugleich oft die ersten Seiten, die Besucher im BiP überhaupt betreten. Diese Seiten bieten also nicht nur den Einstieg in ein Thema, sondern in unsere Internetpräsenz mit sehr vielen Bildungsthemen.

Diese Nebentüren sind, das zeigt die Statistik, genauso wichtig wie der offizielle Haupteingang. Bei gut 95% unserer Besuche ist die Einstiegsseite nicht die Homepage.

Die ersten 100 Einstiegsseiten im BiP, März 2024 bis März 2025, nach Anzahl der hier begonnenen BiP-Besuche

Das liegt daran, dass 60% unserer Besucher über Suchmaschinen kommen. Google, Bing & Co. geben als Suchergebnisse die Seiten aus, deren Inhalt am besten zu den gesuchten Begriffen passt. Bei einer halbwegs spezifischen Suche ist das fast nie unsere Homepage.

Wer also „Zentralabitur Niedersachsen“ sucht, wird auf die Zentralabitur-Seite gelenkt: Das ist aus Google-Sicht die Zielseite oder Landeseite (Landing Page). In den vergangenen 12 Monaten war sie für 160.000 der 300.000 Besuche, die diese Seite zählte, die erste BiP-Seite überhaupt.

Denken Sie bei Ihrer Übersichtsseite also gut über Suchmaschinenoptimierungg (SEO) nach: In den Seiteneigenschaften sollten unter dem Karteireiter „SEO“ Titel und Beschreibung für Suchmaschinen, unter dem Karteireiter „Metadaten“ Kurzbeschreibung/Teaser und Schlagworte /Meta-Tags präzise ausgefüllt werden.

Vergessen Sie nicht die wechselseitige Verlinkung zu allen relevanten Seiten im Bildungsportal.

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Illustrationen: Piktogramme von Coco Bella / Noun Project, Diagramm: Althaus